16. März 2010 21:37
Der Dow Jones hat am Dienstag vom US-Zinsentscheid etwas profitieren können.
Die Notenbank hatte den Leitzins wie erwartet zwischen null und 0,25 %
belassen und eine Fortsetzung ihrer Niedrigzinspolitik signalisiert. Der
US-Leitindex, der zunächst von positiven Nachrichten zu Griechenland
angetrieben worden war, im Vorfeld der Entscheidung aber etwas
abgebröckelte, schloss 0,41 % höher bei 10.685,98 Punkten. Damit blieb er
nur knapp unter seinem Tageshoch. "Das war genau das, worauf der Markt
gehofft hatte", kommentierte Burt White, Geschäftsführer bei LPL Financial
in Boston, den Zinsentscheid.
Der breit gefasste S&P-500-Index rückte um 0,78 % auf 1.159,46 Zähler vor
und damit auf den höchsten Stand seit September 2008. An der Nasdaq gewann
der Composite-Index 0,67 % auf 2.378,01 Zähler und der Auswahlindex
Nasdaq-100-Index legte um 0,63 % auf 1.932,24 Punkte zu.
Aktien von General Electric (GE) setzten sich mit Gewinnen von 4,51 %
auf 18,07 US-Dollar an die Dow-Spitze. Der Mischkonzern hatte mitgeteilt,
dass die Kreditverluste bei GE Capital noch im Jahresverlauf ihren
Höhepunkt erreichen sollten. Langfristig erwartet der GE-Finanzvorstand von
der Sparte einen Beitrag von 30 bis 40 Prozent des Konzerngewinns. Zudem
plane GE, 2011 wieder eine höhere Dividende zu zahlen.
Intel-Titel gehörten mit plus 3,87 % auf 22,00 Dollar ebenfalls zu
den größten Gewinnern im Leitindex. Händler verwiesen auf Spekulationen über
eine positive Gewinnentwicklung beim weltgrößten Chiphersteller im laufenden
Quartal. Bereits im Januar hatte Intel angekündigt, die
Markterwartungen für Umsatz und Marge zu übertreffen. Zudem berichtete das
Unternehmen noch aktuell über die Markteinführung neuer, leistungsfähigerer
Server-Chips. Titel des Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD)
legten im Kielwasser dieser Nachrichten sogar um 5,38 % auf 9,40 Dollar zu.
Ein Intel-Sprecher wollte die Gerüchte zur Gewinnentwicklung nicht
kommentieren.
Wal-Mart-Titel gewannen 1,03 % auf 55,99 Dollar. Der weltgrößte
Einzelhändler plant laut einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ), für
Kunden mit einem niedrigen Einkommen die bankähnlichen Dienstleistungen in
seinen Filialen auszubauen.
Bei Motorola sorgten Einzelheiten zur geplanten Aufspaltung des
Unternehmens für Kursgewinne von 4,98 % auf 7,38 Dollar. Motorola ebnet
den Weg für einen Verkauf seiner Netzinfrastruktursparte. Der
Geschäftsbereich werde entweder separat geführt oder in ein Joint Venture
mit einem Wettbewerber eingebracht, zitiert die "Financial Times
Deutschland" Co-Chef Greg Brown. Motorola will im Rahmen seiner Entflechtung
das Handygeschäft von den Infrastruktursparten trennen. Anfang 2011 sollen
zwei einzeln an der Börse notierte Unternehmen daraus hervorgehen.
Anteilsscheine von Limited Brands legten um 4,22 % auf 24,71 Dollar
zu. Die Führung des Bekleidungskonzerns hatte einer Sonderdividende von
einem Dollar zugestimmt und will für 200 Millionen Dollar eigene Aktien
zurückkaufen. Übernahmespekulationen ließen die Papiere von Harley-Davidson
um 6,98 % auf 28,35 Dollar steigen. Händler verwiesen auf Marktgerüchte über
eine mögliche Übernahme des Motoradbauers. Demnach sei der Finanzinvestor
KKR an Harley-Davidson interessiert und soll ein Angebot von 35 Dollar pro
Aktie vorgelegt haben.
Boeing-Titel fielen indes mit minus 0,98 % auf 68,72 Dollar an das
Dow-Ende, nachdem die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin angesichts
der Luftfahrtkrise ihre Fliegerbestellungen bei dem Airbus-Konkurrenten
zusammengestrichen hatte. Statt 25 Exemplare des Boeing 787 "Dreamliner"
will Air Berlin nur 15 Maschinen abnehmen. Die Zahl der Kaufoptionen wird
zudem von 10 auf 5 halbiert.
Für Aktien von Teva Pharmaceuticals ging es nach einer negativen
Studie um 1,05 % auf 60,34 Dollar nach unten. Goldman Sachs hatte die Titel
des Pharmaunternehmens von der "Conviction Buy List" genommen, das Votum
aber auf "Buy" belassen. Die Analysten sehen in einer Branchenstudie eine
mehr als fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass die angestrebte
US-Gesundheitsreform die parlamentarischen Hürden meistern wird.