07. Mai 2010 09:50
Die direkten Folgen für die Schweiz: Die Forderungen gegen Griechenland sind
zu Jahresende 2009 gegenüber dem dritten Quartal um 60 Mrd. Dollar gesunken.
In der neuen Statistik wurden die Schweizer Forderungen an das Land nur noch
mit rund 3,6 Mrd. Dollar beziffert. Damit liegt die Schweiz plötzlich am
unteren Ende der Skala der Griechenland-Gläubiger.
Etwa 90 % der von der BIZ ausgewiesenen September-Summe gingen auf das Konto
einer einzigen griechischen Bank in Genf. Diese Bank verlegte ihren Sitz im
vierten Quartal nach Luxemburg. Damit verschwanden die Schuldtitel im
Dezember vom Schweizer Konto der BIZ-Statistiker. Bei der Bank handelt es
sich um die European Financial Group (EFG), die der griechische Milliardär
und Reeder Spiros Latsis kontrolliert.
Latsis schuf mit der EFG ein verschachteltes Bankenimperium: mit einer
Privatbank in Zürich, einer Holding in Luxemburg und der Eurobank EFG als
einer der größten Geschäftsbanken Griechenlands mit Sitz in Athen,
berichtete die "Frankfurter Allgemeine". Ein wichtiges Instrument ist die
Luxemburger Holding EFG Group, in der er das Bankgeschäft bündelt. Die
Holding verfügt über zwei Säulen: die griechische Eurobank EFG, an der sie
44 Prozent hält, und die in der Schweiz ansässige Privatbank EFG
International, bei der die EFG Group 49 % kontrolliert.
Bis Ende September 2009 war die Holding in Genf ansässig. Eine Subholding
hat dort weiter ihren Sitz. Unter ihr hängt direkt die EFG International,
die Kundenvermögen über 97 Mrd. Schweizer Franken (68 Mrd. Euro) verwaltet.
Bis zum Umzug der Holding nach Luxemburg waren in der Genfer Holding auch
die Aktivitäten der griechischen Eurobank gebündelt. Dadurch erklärt sich
das bis dahin hohe Engagement Schweizer Banken gegenüber griechischen
Schuldnern.
Die neue Luxemburger Gesellschaft verfügt allerdings über keine Banklizenz,
so dass ihr Griechenland-Engangement in der BIZ-Statistik auch für Luxemburg
nicht mehr auftaucht. Der Umzug ist auch auf aufsichtsrechtliche Probleme
zurückzuführen. Davor lag die Zuständigkeit der griechischen Aktivitäten der
Latsis-Holding bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht. Nach dem Umzug ist die
griechische Notenbank für die Eurobank zuständig, während der Schweizer
Regulator für die EFG International verantwortlich zeichnet.
Der als medienscheu geltende Milliardär hatte auf seinen Yachten schon
prominente Gäste: Neben EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, ein
Studienfreund, urlaubte auch schon Ex-US-Präsident George Bush bei dem
reichen Griechen. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles und seine
Frau Camilla sollen schon einen gemeinsamen Yachturlaub mit Latsis genossen
haben. Spiros Latsis und seine Familie gehören zu den reichsten Bürgern der
Welt, sind aber durch die Wirtschaftskrise aus den Top-100 abgerutscht.
In der jüngsten vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes publizierten Liste "The
World's Billionaires" lag die Reeder-Familie mit einem geschätzten Vermögen
von 5,3 Mrd. Dollar auf Platz 144. Mit Lambda Development gehört Latsis
einer der größten Immobilienentwickler in Südosteuropa, mit 30 % von
Hellenic Petroleum einer der wichtigsten Energieversorger in der Region.
Weniger medienscheu als Spiros agiert der junge Paris Latsis aus dem
Milliardärs-Clan, der durch seine Liaison mit Paris Hilton vor einigen
Jahren die Boulevardpresse beschäftigte.