16. März 2010 11:58

 

ZEW: Index sinkt weniger stark als erwartet

Die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten hat sich im März etwas weniger als erwartet eingetrübt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind um 0,6 Punkte auf 44,5 Punkte gesunken. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 44,3 Punkte gerechnet. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich um 2,9 Punkte auf 51,9 Punkte.

ZEW: Index sinkt weniger stark als erwartet
© E. Dichiser/ZEW

Trotz des nur leichten Rückgangs haben sich die Konjunkturerwartungen nunmehr den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Das ZEW interpretierte das Ergebnis gleichwohl positiv: Die befragten Finanzmarktexperten erwarten demnach, dass sich die deutsche Konjunktur weiter von der Wirtschaftskrise erholen wird.

Zuletzt positive Zahlen zur Industrieproduktion und zu den Auftragseingängen dürften die Experten in ihrem Urteil bestärkt haben. "Die deutsche Konjunktur ist aus der Intensivstation in die Reha gewechselt, aber von einer kräftigen Gesundung kann noch keine Rede sein", sagte der ZEW-Präsident.

Kein selbsttragender deutscher Aufschwung in Sicht

Die deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts vorerst kein Wachstum aus eigener Kraft entfalten. "Ein selbsttragender Aufschwung ist nicht in Sicht", erklärten die Düsseldorfer Forscher zu ihrer neuen Konjunkturprognose.

Im laufenden Jahr werde die Wirtschaft zwar trotz des schwachen Jahresauftakts um zwei Prozent zulegen. Die Erholung dürfte aber schon ab Sommer wieder an Schwung verlieren. 2011 werde das BIP deutlich langsamer steigen - um lediglich 1,2 %.

"Das Wachstum ist sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr zu schwach, um den negativen Trend auf dem Arbeitsmarkt zu brechen", erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Die Arbeitslosenzahl steige bis Ende 2011 moderat, aber kontinuierlich auf dann saisonbereinigt 3,8 Mio.

Die Experten verwiesen auf die große Bedeutung der Kurzarbeiterregelung. "Das Wachstum bleibt fragil, insbesondere, wenn in den nächsten Monaten der Stützeffekt der internationalen Konjunkturprogramme ausläuft", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. "Deshalb braucht der deutsche Arbeitsmarkt aller Voraussicht nach 2010 wie 2011 noch die Entlastung durch die Kurzarbeit." Ein voreiliger Ausstieg berge erhebliche Risiken.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble rechnet mit einer Fortsetzung der Konjunkturerholung. Diese habe zuletzt "eine Pause gemacht", sagte Schäuble am Dienstag im Bundestag. Allerdings sei dies auf Sondereffekte wie dem Ende der Abwrackprämie und dem harten Winter zurückzuführen. "Das spricht dafür, dass es nicht ein nachhaltiger Konjunktureinbruch ist", sagte Schäuble.

Die Situation bleibe aber kritisch. Das Wachstum hatte im 4. Quartal 2009 stagniert. Für das erste Quartal 2010 schließt die Bundesbank auch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht aus, nachdem Schnee und Frost dem Bau und anderen Branchen zu schaffen gemacht hatten.


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