Kein selbsttragender deutscher Aufschwung in Sicht
Die deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht des gewerkschaftsnahen
IMK-Instituts vorerst kein Wachstum aus eigener Kraft entfalten. "Ein
selbsttragender Aufschwung ist nicht in Sicht", erklärten die
Düsseldorfer Forscher zu ihrer neuen Konjunkturprognose.
Im laufenden Jahr werde die Wirtschaft zwar trotz des schwachen
Jahresauftakts um zwei Prozent zulegen. Die Erholung dürfte aber schon
ab Sommer wieder an Schwung verlieren. 2011 werde das BIP deutlich
langsamer steigen - um lediglich 1,2 %.
"Das Wachstum ist sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr zu
schwach, um den negativen Trend auf dem Arbeitsmarkt zu brechen",
erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
Die Arbeitslosenzahl steige bis Ende 2011 moderat, aber kontinuierlich
auf dann saisonbereinigt 3,8 Mio.
Die Experten verwiesen auf die große Bedeutung der
Kurzarbeiterregelung. "Das Wachstum bleibt fragil, insbesondere, wenn
in den nächsten Monaten der Stützeffekt der internationalen
Konjunkturprogramme ausläuft", sagte IMK-Direktor Gustav Horn.
"Deshalb braucht der deutsche Arbeitsmarkt aller Voraussicht nach 2010
wie 2011 noch die Entlastung durch die Kurzarbeit." Ein voreiliger
Ausstieg berge erhebliche Risiken.
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble rechnet mit einer
Fortsetzung der Konjunkturerholung. Diese habe zuletzt "eine Pause
gemacht", sagte Schäuble am Dienstag im Bundestag. Allerdings sei dies
auf Sondereffekte wie dem Ende der Abwrackprämie und dem harten Winter
zurückzuführen. "Das spricht dafür, dass es nicht ein nachhaltiger
Konjunktureinbruch ist", sagte Schäuble.
Die Situation bleibe aber kritisch. Das Wachstum hatte im 4. Quartal
2009 stagniert. Für das erste Quartal 2010 schließt die Bundesbank
auch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht aus, nachdem Schnee
und Frost dem Bau und anderen Branchen zu schaffen gemacht hatten.
|