18. März 2010 11:15
BAWAG-Chef Byron Haynes gibt für heuer keinen konkreten Ausblick. Nur, dass
die Bank 2010 mit Gewinn abschließen will. Das Jahr 2010 werde
herausfordernd bleiben. 2009 habe es "signifikante" Fortschritte
bei Profitabilität und Performance gegeben. Die Bank bekam Ende 2009
Staatskapital (PS), auch die Eigentümer schossen ein.
Die vorjährige Rezession und anhaltend schwache Konjunktur haben die
Risikokosten steigen lassen. Die Margen waren unter Druck. Der
Nettozinsertrag der BAWAG sank um 88 auf 546 Mio. Euro, was aber durch mehr
Provisionsgeschäft und Finanzanlageprofite überkompensiert worden sei. Die
Aufwendungen seien gesunken. Nach hohen Abschreibungen auf strukturierte
Papiere und andere Wertpapiere im Jahr 2008 gab es 2009 daraus Buchgewinne
und Aufwertungsgewinne in dreistelliger Millionenhöhe.
Unveränderte Bilanzsumme
Somit habe man bei praktisch unveränderter Bilanzsumme (41,2 Mrd. Euro) den
vorjährigen operativen Verlust von 300,7 Mio. in einen operativen Gewinn von
290,2 Mio. Euro drehen können. Das Vorsteuerergebnis habe sich um 660 Mio.
Euro von davor 614,6 Mio. Euro Verlust auf einen Gewinn von 45,5 Mio. Euro
gebessert.
Nach Ertragssteuern (60 Mio. Euro) und Fremdanteilen verblieb unterm Strich
ein Nettoverlust von 22,2 Mio. Euro, den Eigentümern des Mutterunternehmens
zurechenbar. Weil die Bank aus den vergangenen Riesenverlusten
Verlustvorträge geltend macht, zahlte sie für 2009 aber keine
Ertragssteuern. Das dürfte wegen des Verlustvortrag-Bergs auch heuer so
sein.
Im 2. Halbjahr 2009 holte sich die Bank 80 Mio. Euro Nachrangkapital. Die
Republik zeichnete Ende 2009 PS-Kapital über 550 Mio. Euro und steht bis
2014 mit einer 400-Millionen-Garantie für krisengebeutelte Assets gerade.
Die Eigner, primär Cerberus, schossen 205 Mio. Euro ein. Damit lag das
Eigenkapital zum Ultimo bei 1,9 Mrd. Euro, um 781 Mio. Euro höher als vor
dem Einschuss.
"Kein Einfluss der Lehman-Gläubiger"
Dass die Gläubiger der bankrotten Investmentbank Lehman die Hand auf der
BAWAG haben, wird entschieden dementiert. Die Lehman-Pleite habe keinerlei
Auswirkung auf die Bank, betonten Haynes und sein Vize Stephan Koren heute
unter Bezug auf nicht weiter kommentierte Zeitungsberichte, wonach ein Teil
der BAWAG-Aktien in der Lehman-Konkursmasse liege. Medienberichten zufolge
soll Cerberus 2007 heimlich Teile von BAWAG-Aktien an Investmentbanken
weiter gegeben haben, spekuliert wurde über Verpfändungen.
Cerberus "kontrolliert 100 % der Aktien", sagte Haynes heute. Die
Republik Österreich sei sowohl beim Verkauf der BAWAG als auch zum Vertrag
über die Staatshilfe im Herbst 2009 voll informiert worden über die
Eigentümerstruktur. Dies sei offiziell notifiziert.
Bis zum 30. Juni erwartet Haynes von der EU das Okay für die österreichische
Staatshilfe. Die Bank musste einen neuen Businessplan in Brüssel einreichen.
Haynes geht nicht davon aus, dass der Bank ein geändertes Geschäftsmodell
abverlangt wird.
Nicht die Zeit für ÖVAG-Kauf
Haynes hat den staatlichen PS-Kapitaleinschuss und die Kapitalzufuhr durch
die Aktionäre - vor allem Cerberus - mit den künftig höheren regulatorischen
Eigenmittelerfordernissen begründet. "Wir haben die finanzielle
Stärke, um organisch zu wachsen", sagte Haynes.
Die Staats-PS werden für 2009 anteilig bedient. Für einen Zukauf - etwa von
Teilen der ÖVAG - sei nicht die Zeit. Der US-Fonds Cerberus sei zum
Zeitpunkt des Kaufs kontrollierender BAWAG-Aktionär gewesen und sei das auch
heute, sagte Haynes. Die Republik Österreich wollte für die Gewährung der
Staatshilfe Ende 2009 ausdrücklich eine Bestätigung, dass Cerberus
kontrollierender Aktionär sei und sie hat diese Bestätigung laut Vizechef
Stephan Koren auch bekommen.
Für das Ende 2009 eingeschossene PS-Kapital kassiert der Bund von der BAWAG
die Hälfte der Jahresverzinsung (25 Mio. Euro). Für diese PS-Bedienung wird
der BAWAG-Einzelabschluss (UGB) herangezogen, in dem die Bank laut Koren mit
plus 80 Mio. abgeschlossen hat. Er sprach heute von einer Turnaround-Bilanz.
Cerberus-Rückzugsgerüchte werden vom BAWAG-Vorstand auch im dritten Jahr
nach dem Eigentümerwechsel dementiert.
Am Finanzplatz wird dennoch erwartet, dass die Bank über kurz oder lang
wieder auf dem Markt sein wird. Vorher dürften noch einige andere
österreichische Banken ihre Eigentümer wechseln. Dass die BAWAG als
möglicher Partner für die jetzt im 1. Halbjahr zum Verkauf stehende
Volksbank AG (ÖVAG) oder als Käufer für ÖVAG-Teile (z.B. Investkredit)
genannt wird, wird diplomatisch ablehnend kommentiert. "Wir haben zu
viel zu tun, um uns Gedanken über die ÖVAG zu machen", sagte
Haynes. Was nicht heiße, dass man sich auf längere Sicht nicht umschaue, was
es an Opportunitäten gibt.
Kein Banken-Akquisitionsprogramm
Bank-Vizechef Koren fügte an: "Wir haben 2009 große Fortschritte
gemacht, und wir haben noch einiges vor uns. Das schafft man nicht, wenn man
dauernd nach rechts und links schielt, was es zu kaufen gibt." Es
liefen viele Programme in der Bank, ein Banken-Akquisitionsprogramm sei
nicht darunter. Zur Zeit habe man andere Prioritäten, wolle die Kräfte
anders bündeln.
"Wir hatten und haben klarerweise starke Kostenvorgaben", sagte
Koren heute. 200 Stellen wurden 2009 in der BAWAG abgebaut, mehr als im
Reduktionsplan vorgesehen. Ende 2009 beschäftigte die Bank 4.954 Leute.
Weiter nach oben müssten Profitabilität und Produktivität. Letztes Jahr
wurden in der Verwaltung 100 Millionen Euro eingespart.
Trotz Konjunkturkrise wurde - bei leicht steigendem Kunden-Kreditvolumen -
weniger wertberichtigt. Die gesamten Risikokosten für 2009 werden mit 236,7
Mio. Euro (-16 %) beziffert. Die reinen Kreditwertberichtigungen stiegen von
166 auf 175 Mio. Euro. Abwertungen auf strukturierte Papiere sanken hingegen
um 41 %.
Teure Risiko-Reduktion
Der Buchwert des strukturierten Portfolios wurde um 590 Mio. auf 1,16 Mrd.
Euro reduziert. Haynes erwartet keine weiteren nennenswerten Ausfälle aus
diesem Titel. Diese Risiko-Reduktion hat vorerst allerdings auch etwas
gekostet, in Summe 128 Mio. Euro letzten Jahr.
Die Konjunkturschwäche trifft die Kunden der Bank, die hohe Arbeitslosigkeit
sorgt die Manager. Bei den Kreditwertberichtigungen sieht Haynes heuer keine
Reduktion, vorerst aber auch keinen neuen Anstieg. 2010 dürfte die
Kreditnachfrage insgesamt schwächeln.
Der Streit um die Gruppenbesteuerung trifft die BAWAG nicht, wie versichert
wird. Sie macht heute 90 % des Geschäfts im Inland und hat - anders als
andere Großbanken - kein Netz von Auslandstöchtern, wo Verluste und Gewinne
gegenzurechnen sind. Stolz ist die Bank auf ihre aktuell 8,6 Mrd. Euro
schwere Liquiditätsposition. Sie helfe, das Kernbankengeschäft auch im
schwierigen Marktumfeld auszubauen.
Direktbanktochter easybank mit 3,9 Mio. Euro Gewinn
Im abermaligen Banken-Krisenjahr 2009 hat die Direktbanktochter der
BAWAG, die easybank, nach einem mehr als 80-prozentigen Zuwachs bei
der Bilanzsumme einen Rekordgewinn abgeliefert. Die Bank ist seit 13
Jahren im Markt.
Das easybank-Bilanzvolumen wuchs im Jahresabstand um 84 % auf 1,5 Mrd.
Euro (2008: 0,8 Mrd. Euro). Das EGT lag nach Bankangaben mit 5,5 Mio.
Euro mehr als dreimal so hoch wie 2008. Nach Steuern und Rücklagen
meldete die Bank einen Jahresgewinn von 3,9 Mio. Euro (2008: 1,1 Mio.
Euro).
Die Kontenzahl erhöhte sich im abgelaufenen Jahr um 45.000 auf 290.000
Stück. Der Trend halte an, in den ersten beiden Monaten 2010 seien
Kontenzahl und Einlagen weiter gestiegen.
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