04. Februar 2010 14:43
Zum Prüfbericht, wonach etwa in Kroatien 400 leasing-finanzierte Jachten
verschwunden seien, meinte Kulterer: "Der Prüfbericht ist Quatsch."
Besonders wurmt den Banker der Vorwurf, er sei williger Erfüllungsgehilfe
des damaligen Landeshauptmannes Jörg Haider gewesen. Dies sei absolut
unwahr, es habe "Schreiduelle" zwischen ihm und Haider gegeben.
So habe er sich auch strikt geweigert, den Kärntner Fußball zu sponsern. Die
Leasing-Finanzierung der Wörthersee-Bühne habe der Hypo keinen Cent Verlust
beschert, zahlreiche Investitionen in Skigebiete, wie etwa am Nassfeld oder
auf der Turracher Höhe, hätten sich prächtig entwickelt.
Einzig das Schlosshotel Velden sei eine Fehlinvestition gewesen, konzediert
Kulterer, um gleich wieder einzuschränken, dass daran wohl auch die
Wirtschaftskrise schuld sei. Zudem sei "nicht mehr genug Energie"
dagewesen, um das Projekt ordentlich fertig zu managen, als 2006 "das
ganze Theater um die Swaps begann".
Krise brachte Mrd.-Abschreibungen
An den Milliardenabschreibungen in Kroatien ist laut Kulterer die
Wirtschaftskrise schuld, den umstrittenen kroatischen General Vladimir
Zagorec habe er als Kunden "geerbt". "Bis 2007 habe ich ihn
nicht einmal gekannt", sagte Kulterer, der allerdings bereits im Sommer
2006 als Vorstandsvorsitzender zurücktreten musste.
Die Geschäfte, die man mit Zagorec gemacht habe, seien "gut
besichert" gewesen, die Geldwäsche-Vorwürfe hätten sich in Luft
aufgelöst. Einer der wenigen Fehler, den Kulterer zugab, sei ihm bei der
Personalauswahl unterlaufen. Namen nannte er aber nicht, sondern meinte nur: "Wenn
man hundert Führungskräfte hat, kann man da und dort einen Fehlgriff machen."
Seit seinem Abgang aus der Hypo sei die Bank, was das Kredit- und
Leasinggeschäft betreffe, um 50 % gewachsen, behauptet Kulterer. Er könne
nur über jenen Teil reden, den er mitgestaltet habe. Heftige Kritik übte er
an der BayernLB: "Immer, wenn es Probleme gibt, läuft sie schreiend
davon und schmeißt alles hin."
Dies sei bei der kroatischen Rijecka Banka ebenso der Fall gewesen wie bei
BAWAG und jetzt eben bei der Hypo. Warum man die Bayern dann als Käufer
geholt habe, "kann ich nicht beurteilen". Er sei ja nicht der
Verkäufer gewesen, so Kulterer, der auch Tilo Berlin kaum gekannt haben
will. Dass er als Aufsichtsratsvorsitzender und Berater Haiders bei allen
entscheidenden Verhandlungen ebenso dabei war wie bei Signing und Closing
des Deals, ließ er unerwähnt.
Auch die Anmerkung der Wirtschaftsprüfer, dass die enormen Abschreibungen
samt und sonders aus Geschäften vor 2007 resultieren, blieb außen vor. Unterdessen
wird anhand eines angeblich geheimen neuen Prüfberichtes heftig darüber
spekuliert, dass das im Dezember notverstaatlichte Geldinstitut noch
weiteren Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe haben soll. Kolportiert
werden da Summen von 5 bis 10 Mrd. Euro, eine Bestätigung dafür gab es
vorerst aber nicht.