Jeder Fünfte wird Opfer von Internet-Kriminalität

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In Österreich liegt die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Internet-Kriminalität zu werden, aktuell bei eins zu fünf. Die große Gefahr geht nicht mehr von Viren aus, die per E-Mail rund um die Erde geschickt werden und es zu Berühmtheit bringen konnten, sondern von legitimen Webseiten, die geknackt und infiziert wurden, oder von angeblichen Followern in Sozialen Netzwerken. Und der Untergrundhandel mit Kreditkarten- und Kontodaten boomt. Darauf machten Fachleute bei einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam.

"Melissa" war einmal. 1999 hatte der Virus via Mail die Computer von Usern auf der ganzen Welt verseucht, der Programmierer wurde in den USA zu 20 Monaten Haft und 2.500 Dollar Geldstrafe verurteilt. Zehn Jahre später stellen sogenannte Drive By-Attacken eine viel größere Gefahr dar: Durch Runterladen einer geknackten Website können sich Trojaner auf dem eigenen Computer einschleichen. Sie greifen eine vergleichsweise kleine Gruppe von Rechnern an und sind sehr effektiv.

Symantec entdeckt pro Tag 13.000 derart infizierte Webseiten, wie Candid Wüest, "Virenjäger" bei dem weltgrößten Hersteller von Sicherheitssoftware, berichtete. Bei Kunden des Unternehmens werden laut Wüest pro Tag sechs Millionen Mal Schädlinge identifiziert. 2008 gab es einen Anstieg von fast 300 Prozent, und heuer gehe die Kurve exponentiell weiter nach oben.

Malware über social networks

Malware schleicht sich auch über social networks ein, und zwar über Links - häufig mit Kurz-URLs - auf legitime Seiten, denen bösartige Codes eingefügt wurden. Trojaner schaffen es auch, weitere Schädlinge nachzuladen oder zur Tarnung vermeintliche Warnungen anzuzeigen und den User auf diese Weise zum Kauf von Pseudo-Anti-Virenprogrammen zu bringen.

Das Bild des Malware-Programmierers hat sich gewandelt. "Es geht den Leuten nicht mehr um Ruhm und Ehre, sondern darum, Geld zu verdienen", sagte Wüest. Ein lukratives Geschäft ist das Ausspähen von Konto- und Kreditkartendaten zwecks Weiterverkaufs und Reproduktion. Ein von dem Experten präsentiertes Preisbeispiel: 15 US-Dollar für eine Schweizer Kreditkarte, zehn Dollar für eine österreichische. Komplette Identitäten - entsprechend teurer - werden angeboten. Auf dem Schwarzmarkt werden vermutlich Milliarden-Erlöse erzielt.

Stefan Wesche, Experte für das Anti-Virenprogramm Norton, rät grundsätzlich zu sparsamem Umgang mit eigenen Daten im Internet sowie zur Verwendung verschiedener, sicherer Passwörter, die neben Groß-und Kleinschreibung Sonderzeichen enthalten sollen. Darüber hinaus empfiehlt der Fachmann, das System aktuell zu halten und Sicherheitssoftware zu verwenden.

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