Lebensversicherungen sehen Talsohle erreicht

Bei Garantiezins

Lebensversicherungen sehen Talsohle erreicht

Das schon mehrere Jahre anhaltende Niedrigzinsniveau macht den Lebensversicherungen zunehmend Sorgen, ihre garantierten Zinsversprechungen auch auf den Kapitalmärkten erwirtschaften zu können. Die Branche geht allerdings davon aus, dass der Garantiezins bald weiter gesenkt wird. Darunter könnte allerdings die Attraktivität ihrer Produkte leiden.

Derzeit ist die Verzinsung, die beim Abschluss von neuen Lebensversicherungsprodukten garantiert wird, mit 1,75 Prozent festgesetzt. Diese Mindestverzinsung wird allerdings erst auf den eingezahlten Betrag nach Abzug von Abschlusskosten und Steuern angewendet, sodass die Gesamtverzinsung nach Vertragsende unter dem Garantiezins liegen kann.

Dass die Abschlusskosten 20 Prozent des eingezahlten Betrages ausmachen, wie Konsumentenschützer dies kritisieren, konnte Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherungen im Versicherungsverband (VVO), am Montag bei einem Pressegespräch in Wien nicht nachvollziehen. Bei seinem Institut - der s-Versicherung - gingen mehr als 90 Prozent in die Veranlagung.

2013 machte die Gesamtverzinsung der Lebensversicherungsverträge in Österreich - inklusive Gewinnbeteiligung - im Durchschnitt 3,25 Prozent aus. Das sei im aktuellen Niedrigzinsumfeld eine herzeigbare Verzinsung. Der Anteil der Prämien an den gesamten Versicherungsprämien lag bei 39 Prozent, das Prämienvolumen betrug 6,5 Mrd. Euro. Die Anzahl der Verträge lag mit 9,8 Millionen über der Einwohnerzahl von 8,5 Millionen. An Kunden wurden 6,3 Mrd. Euro ausgezahlt.

Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld die versprochen Renditen auch zu verdienen, "geht sich bei allen Versicherungen, die ich kenne, aus", so Rapf. Es gebe deswegen keine Problem, weil sich die Lebensversicherungsanbieter zehn bis 15 Jahre im Voraus überlegen würden, ob sich die Auszahlung der versprochenen Garantieleistungen auch ausgehe. Aktuell liege der Garantiezins im Bestand bei 2,7 bis 2,8 Prozent, gegenüber 3,1 bis 3,2 Prozent in Deutschland, weshalb sich die heimischen Versicherungen auch leichter bei der Veranlagung tun würden. Für das wohl noch zehn Jahre anhaltende Niedrigzinsumfeld müssten die Lebensversicherer aber erst neue Tarife entwickeln.

Rapf geht wie die Branche davon aus, dass der aktuelle Garantiezins von 1,75 Prozent im kommenden Jahr von der dafür zuständigen Finanzmarktaufsicht FMA auf 1,5 oder sogar 1,25 Prozent gesenkt wird. Der Garantiezins hängt von der Sekundärmarktrendite etwa der Staatsanleihen ab. Diese lag im März bei 1,18 Prozent, jene der gesamten Emittenten bei 1,19 Prozent.

Mit der erwarteten Absenkung des Garantienzinses auf 1,5 oder 1,25 Prozent sollte allerdings die Talsohle erreicht sein, glaubt Rapf. "Ich gehe nicht davon aus, dass die EZB vorhabt, auf null Prozent zu reduzieren."

Angesprochen auf die mangelnde Transparenz von Lebensversicherungsprodukten meinte Rapf: "Es ist nicht leicht, Informationen auch so anzubieten, dass sie auch verstanden werden." Man habe nichts zu verstecken, aber der Wettbewerb brauche auch nicht alles zu wissen. Die Aufschlüsselung der Veranlagung könnte man sich auch im Geschäftsbericht ansehen.

In Österreich sieht Rapf noch Raum für Lebensversicherungen. Liege die Durchdringung im europäischen Durchschnitt bei 4,5 Prozent des BIP, machten die Prämien in Österreich nur 2,1 Prozent des BIP aus. Der Anteil am Versicherungsmarkt betrage in Europa 60 Prozent, in Österreich 40 Prozent.

Laut einer heute präsentierten GfK-Umfrage ist die Pensionsvorsorge das Hauptmotiv für den Abschluss eine Lebensversicherung, gefolgt von der finanziellen Absicherung für Hinterbliebene im Todesfall, dem Vermögensaufbau und der Besicherung eines Kredites.

Ausschlaggebende Kriterien für den Abschluss sind demnach die garantierte Leistung, gefolgt von der Sicherheit des eingezahlten Kapitals und des Versicherungsunternehmens, und erst an vierter Stelle steht eine möglichst hohe Rendite.

Lebensversicherungen als Teil der privaten Altersvorsorge haben laut Rapf angesichts der demografischen Entwicklungen jedenfalls Zukunft: "Wir werden sie wie einen Bissen Brot brauchen."

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