09. November 2009 08:17
Kunden der Raiffeisenbank Landesbank Tirol (RLB Tirol) müssen ab sofort pro
Abhebung 60 Cent zahlen, wenn sie in Österreich einen Bankomaten einer
anderen Bank benützen. Diese Gebühr wird damit begründet, dass die Bank, die
den Bankomat zur Verfügung stellt, eine Gebühr an die kontoführende Bank
verrechnet. Bisher hat die RLB Tirol das für ihre Kunden aus eigener Tasche
gezahlt, jetzt wird die Gebühr auf die Kunden übergewälzt. In anderen
europäischen Ländern wird das seit Jahren so gehandhabt.
Entwarnung
Jetzt befürchten Konsumentenschützer, dass die gesamte Branche dem Beispiel
der RLB Tirol folgt. Führende Bank-Manager geben aber im Gespräch mit
ÖSTERREICH Entwarnung. Von einer drohenden Bankomat-Gebühr könne derzeit
keine Rede sein.
Peter Bosek, Vorstand der Erste Bank Österreich, sagt etwa: „Bei uns kommt
eine Gebühr nicht in Frage. Wir sehen die SB-Geräte weiterhin als
kostenloses Service.“ Auch im Raiffeisen-Sektor will man den Vorstoß in
Tirol nicht als Pilotprojekt für bundesweite Bankomat-Gebühren sehen. Und
aus dem Vorstand der Bank Austria ist zu hören, dass es keine Absicht gebe,
an der aktuellen Situation etwas zu verändern.
RLB Tirol verteidigt Bankomatgebühr
Die Tiroler Raiffeisenlandesbank hat die Bankomatgebühr indessen einer
Stellungnahme verteidigt. Sie argumentiert mit einem neuen Kontomodell, das
eine günstigere Kontoführung ermöglicht. Kunden würden "jetzt"
etwa eine kostenlose Bankomatkarte im Wert von jährlich Euro 20,28 erhalten.
Im Zuge der Umstellung auf die neuen Kontomodelle sei ein Entgelt von 60
Cent für die Behebung an Fremdbankomaten eingeführt worden, die Behebung bei
Raiffeisen-Bankomaten bleibe dagegen gratis. Insgesamt sei die Kontoführung
für RLB-Kunden günstiger geworden, wenn die Kunden ihr Kontomodell "entsprechend"
nutzen würden.
Im Schnitt hätten RLB-Kunden im Jahr rund 18 Bankomatbehebungen. Davon
erfolgten bereits jetzt über 60 % bei Raiffeisen-Bankomaten. Selbst wenn die
Kunden im Schnitt viermal soviel Fremdbehebungen tätigen würden, komme sie
das neue Modell billiger. Die Kunden seien ausführlich über die neuen
Kundenmodelle informiert worden, der Umstieg sei freiwillig gewesen. Mehr
als 98 % der Privatkunden hätten sich für diese neuen Modelle entschieden.