25. März 2010 11:17
Unerwartet niedrige Geschwindigkeit, Verbindungsabbrüche und teils hohe
Kosten bei Überschreitungen: Das ist die andere Seite des mobilen
Breitband - abseits der schönen neuen Werbewelt. "Mobiles Breitband
ist derzeit kein vollwertiger Ersatz für das Internet über Kabel
oder Telefonleitung. Meist heißt es nur Schmalspur statt Breitband.
Denn bei keiner einzigen Messung erreichten die mobilen Internetzugänge die
in Aussicht gestellte Geschwindigkeit bei Down- und Upload. Statt mit
Hochgeschwindigkeit am Datenhighway zu brausen, bleibt man im Datenstau
stecken", kritisiert VKI-Geschäftsführer Franz Floss.
Der starke Kontrast zwischen Schein und Sein ist auch Peter Kolba, Leiter
des Bereichs Recht im VKI, ein Dorn im Auge, "Wenn bis zu 7,2 Megabit
pro Sekunde versprochen werden, aber nicht einmal ein Drittel dessen
erreicht wird - ohne dass in der Werbung deutlich darauf hingewiesen wird -
bewegt man sich bereits hart an der Grenze zur irreführenden Werbung. Hier
prüfen wir Klagen nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb."
Trotz der harschen Kritik gibt es auch einen Testsieger: A1 netbook +
Premium 5 GB setzte sich im Gesamtranking durch und konnte besonders bei der
Geschwindigkeit punkten - bei der Überschreitung des 5 GB
Transferlimits werden allerdings Kosten von 102,40 Euro pro GB fällig. Auf
den hinteren Rängen finden sich bob breitband 1 GB, yesss Mobiles
Internet Starterpaket und tele.ring free WILLI mit dem Testurteil
"durchschnittlich".
Im Datenstau
Eine enorme Diskrepanz zwischen Werbung und Wirklichkeit stellten die Tester
bei den Downloadgeschwindigkeiten fest. Die Anbieter von mobilem Breitband
versprechen zwar Downloadraten von "bis zu" 7,2 Megabit pro
Sekunde (Mbit/s). Die getesteten Produkte von yesss, T-Mobile, 3 Hutchison
(3Data Laptop 5 GB) und der Telekom Austria erreichten im gut ausgebauten
Stadtgebiet jedoch im Durchschnitt nur ein Drittel der ausgelobten
Geschwindigkeit. Absolut gesehen lieferten orange (netbook + Mobiles
Internet), yesss (Mobiles Internet Starterpaket) und tele.ring (free WILLI)
die schlechtesten Messergebnisse und erhielten in dieser Kategorie dafür ein
"nicht zufriedenstellend". A1 hängte die Konkurrenz hingegen mit den höchsten
Spitzengeschwindigkeiten und den kürzesten Einbrüchen ab.
Mangelnde Verbindungssicherheit
Wortwörtlich unverbindlich sind "bis zu"-Angaben auch in anderer Hinsicht.
Denn sie enthalten nicht die Garantie, dass an dem Ort, an dem das Internet
benötigt wird, überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Der
Testversuch, eine 28 MB große Programmdatei herunterzuladen, gelang an
allen Standorten mit keinem der 4 Provider auf Anhieb. Bei 3 Hutchison waren
mitunter gleich 3 Versuche notwendig, da der Download wiederholt zum
Stillstand kam. Aus 28 MB wurden so 50 MB verbrauchtes Datenvolumen.
"Heikel sind Downloads von Dateien mit einer Größe von mehr als 100
MB, weil hier die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Abbruchs besonders
hoch ist. Allein der aktuelle Adobe Reader hat aber mehr als 200 MB",
informiert Testleiter Paul Srna. "Schon eine kleine örtliche
Veränderung, ob nun im Kaffeehaus oder in der Wohnung, kann aber den
Empfang deutlich verbessern. Hilfreich ist auch ein USB-Verlängerungskabel,
mit dem man den Stick in Fensternähe platzieren kann. Wer vorrangig in
den eigenen vier Wänden mobil sein möchte, sollte aber besser in einen
WLAN-Router investieren."
Teure Überschreitungen
Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist heikel, da die monatlichen
Kosten vom gewählten Tarifmodell beziehungsweise vom real verbrauchten
Datendurchsatz abhängen. Bei den Einmalkosten fallen hier in der
Mehrheit zwischen 50 und 60 Euro an. Die Kosten für 1 Gigabyte (GB) reichen
bei den Verträgen von rund zwei Euro (3 Hutchison 3Data Laptop 5 GB)
bis rund acht Euro (T-Mobile) - wenn man das inkludierte Datenvolumen auch
ausnützt. Bei den Wertkarten (3 Hutchison, yesss und tele.ring) sind
die Kosten pro Gigabyte mit 20 Euro zwar höher, böse Überraschungen beim
Überschreiten des Datenvolumens aber ausgeschlossen. Anders bei den
Verträgen: 3 Hutchison und A1 verrechnen bei einer Überschreitung von 1
GB einen Aufschlag von 102,40 Euro, der Rest drosselt auf ein Schneckentempo.
"Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist also auch eine Frage der
Nutzung. Sofern man mobiles Breitband als Ergänzung für unterwegs verwendet,
ist die Wertkarte ohne monatliche Fixkosten oft die sinnvollere Variante.
Wer dieses vorrangig und regelmäßig nutzt, fährt in der Regel mit
einem Vertrag besser", so Srna. "Grundsätzlich sollte dabei
für den durchschnittlichen User eine Downloadgeschwindigkeit von 1
Mbit/s und eine Datenmenge von 5 GB im Monat vollkommen ausreichen."
Besonders teuer kann das mobile Surfen im Ausland werden. Zumindest im
EU-Raum soll die EU-Roaming-Verordnung Horrorrechnungen aber verhindern.
Dieser zufolge müssen europäische Mobilfunknetzbetreiber seit dem
1. März 2010 ihren Kunden die Möglichkeit einer Rechnungsobergrenze
anbieten.
Für Kunden, die bis 1. Juli 2010 nicht von sich aus eine Obergrenze
festgelegt haben, gilt pauschal die Obergrenze von 50 Euro (exkl. Ust).
Zudem erhalten die Kunden eine Warnmeldung, wenn ihre Kosten 80 % des
jeweils definierten Betrages erreicht haben. "Das ist an und für sich eine gute
Sache. Warum sich eine solche Warnung bei Erreichen des Datenlimits aber
lediglich auf die Nutzung des Internets auf Reisen in anderen EU-Ländern
beschränken sollte und in Österreich selbst ausgespart bleibt, ist
uns nicht klar. Hier ist eindeutig noch Handlungsbedarf gegeben", kritisiert
Kolba.
Irreführende Werbung
Als Ärgernis empfindet Kolba die im Test festgestellte grobe Unterschreitung
der ausgelobten Downloadgeschwindigkeiten: "Das wird Gegenstand der
Überprüfung von UWG-Klagen sein, sofern dies nicht deutlich in der
Werbung klargestellt wird. Diese Situation mag auch vergleichbar mit der
Judikatur des deutschen Bundesgerichtshofes sein, derzufolge der reale
Kraftstoffverbrauch um nicht mehr als 10 % von den in der Werbung
angegebenen Werten abweichen darf. Im vorliegenden Test wurden dagegen teils
nicht einmal Werte von einem Drittel des Angegebenen erreicht. Man darf sich
also nicht wundern, wenn Kunden Gewährleistung fordern."
Weitere Kritikpunkte ergeben sich bei einem genaueren Blick auf das
Kleingedruckte: Das gilt nicht zuletzt für Verträge mit "unlimitiertem"
Surfen oder "Fair Use". So wird auch hier bei Erreichen einer
bestimmten Grenze die Geschwindigkeit massiv gedrosselt - im Test bei
T-Mobile etwa nach 5 GB/Monat auf maximal 128 kbit/s. "Damit lassen sich
zwar Kostenfallen vermeiden, diese Logik von ,unlimitiert' erschließt sich
uns aber nicht", so Kolba.
Über eine weitere freizügige Auslegung des Begriffes "unlimitiert" durch
T-Mobile hat dagegen das OLG Wien vor kurzem entschieden: Dieses verbot die
Werbung für den Tarif Fairclick, welche den Eindruck erweckte, dass mit
Zahlung der Grundgebühr ein unbegrenztes Datenvolumen zur Verfügung
steht.
Tatsächlich war das Datenvolumen auf 10 GB pro Monat begrenzt; für
jedes weitere heruntergeladene MB wurden 10 Cent verrechnet - ein Mehr an
100 Euro pro GB. "Dieses Beispiel zeigt, dass der VKI immer wieder
erfolgreich nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vorgeht und auch in
Zukunft werden wir alles unternehmen, um irreführender Werbung einen Riegel vorzuschieben",
so Kolba abschließend.
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Details zum Test: 10 Breitbandzugänge wurden an verschiedenen
Standorten im Raum Wien und Umgebung zu verschiedenen Tages- und
Nachtzeiten hinsichtlich Handhabung, Geschwindigkeit und Kosten
beurteilt. Die Messungen wurden mit Datensticks bzw. Netbooks der vier
heimischen Netzanbieter (A1/b.free/bob, orange/yesss,
T-Mobile/tele.ring und 3 Hutchison) mit Wertkarte bzw. Vertrag
durchgeführt.
Die Kosten berücksichtigen neben dem inkludierten Datenvolumen die
monatlichen Fixkosten und die Kosten pro GB während der Vertragsdauer,
die Kosten bei Überschreitung des Transfervolumens und die
Abrechnungseinheiten. Für die Handhabung wurden Installation,
täglicher Betrieb, Übersichtlichkeit des Verbindungsmanagers,
Informationen über Transfervolumen und Verbindungsqualität sowie die
Angaben auf der Website der Anbieter bewertet.
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