09. März 2010 14:06
"Man sollte zuerst ausgabenseitig alles ausschöpfen", erklärte Wirtschaftsbund-Generalsekretär
Peter Haubner. "Der Staat sollte wie ein Unternehmen agieren. Wir
brauchen ein Sanierungspaket mit definierten Meilensteinen. Es gibt genügend
Vorschläge, zum Beispiel im Rechnungshof-Bericht", so Haubner. Durch die
Einführung neuer Steuern würde alles "vergessen", was ausgabenseitig zu
sanieren ist, kritisierte der Wirtschaftsbund-Generalsekretär. "Keine neuen
Steuern für die Wirtschaft", bekräftigte er. Wachstumsimpulse wären hingegen
jetzt "ganz wichtig".
Auch die Industriellenvereinigung (IV) beurteilte den Ministerratsbeschluss
zur Budgetkonsolidierung kritisch. "Im Mittelpunkt und am Beginn müssen
ausgabenseitige Maßnahmen stehen. Nun schon über Einnahmen zu reden,
gefährdet die Hebung von ausgabenseitigen Chancen und Strukturreformen, die
Österreich so bitter nötig hat", erklärte IV-Generalsekretär
Markus Beyrer. Einnahmenseitige Maßnahmen können nur "ultima ratio" sein.
Von der FPÖ gibt es zu neuen Steuern ein "klares Nein", denn diese würden
nicht die "tatsächlichen Probleme" lösen. "Staatshaushalte lassen sich
einzig durch Kürzung der Ausgaben nachhaltig sanieren", erklärte
Finanzsprecher Lutz Weinzinger. "Eine rigide ausgabenseitige
Haushaltspolitik löst in Folge expansive Effekte aus, da private Haushalte
in Zukunft mit niedrigeren Steuern rechnen können." Auch FPÖ-Obmann
Heinz-Christian Strache erklärte: "Keine neuen Steuern für die Bürger."
Das BZÖ befürchtet, dass durch die geplanten Maßnahmen die Steuerreform 2009
zur Gänze "aufgefressen" wird. "Die Belastungswelle macht das rückgängig.
Neue Steuern sind die völlig falsche Strategie, die Bevölkerung hat dafür
kein Verständnis. Als erstes muss die Politik bei sich beginnen, das hätte
Signalwirkung", erklärte Bündnisobmann Josef Bucher.
Er geht auch davon aus, dass durch die Steuererhöhung alle Reformen in der
Verwaltung und im Gesundheitswesen damit abgesagt sind. Als "unglaubwürdig"
bezeichnete der orange Parteichef Finanzminister Pröll, welcher gesagt habe,
dass er für keine Steuererhöhung zu haben ist.
Der Grünen-Abgeordnete Werner Kogler geht davon aus, dass es
ohne Steuererhöhung "nicht gehen wird", diese sollte allerdings nicht die
Mittelschicht treffen. "Wer zahlt die Lasten der Krisenbekämpfung? Da ist
weitaus mehr drinnen, ohne die unteren Einkommen zu belasten", so Kogler.
Durch die Beseitigung der Stiftungsprivilegien "wenigstens zur Hälfte" etwa,
die Aufhebung der Spekulationsfristen, einer Börsenumsatzsteuer oder die
Besteuerung von sehr großen Erbschaften könnten Einnahmen in der Höhe von 3
Mrd. Euro lukriert werden, meinte der Mandatar. Steuern für die
Mittelschicht würden jedenfalls die Konjunktur gefährden, befürchtet Kogler.
Die Konsolidierung sollte "innovativ und sozial gerecht" durchgeführt
werden. Zudem pochte er auf die Umsetzung der Verwaltungsreform.
"Neue Steuern sind der richtige Ansatz, solange sie nicht die Falschen
belasten, nämlich die Arbeitnehmerinnen. Die tragen nämlich mit ihren
Lohnsteuern ohnehin schon die Hauptlast des Steueraufkommens", stellte ÖGB-Vizepräsidentin
Sabine Oberhauser fest. Sie forderte einen Solidarpakt und als ersten
Schritt eine Bankenabgabe. Diese wäre ein Teil der "Aufräumarbeiten" nach
der Finanz- und Wirtschaftskrise und des dringend notwendigen
Systemwechsels. Ohne neue Steuern wäre die Budgetkonsolidierung
ausschließlich mit massiven Sozialkürzungen zu schaffen. "Das werden wir auf
keinen Fall zulassen", betonte Oberhauser.
WKÖ-Chef Christoph Leitl blieb bei seinem "Nein" zu
"standortschädlichen" neuen Steuerbelastungen. "Die Wirtschaft steht zum
Ziel, das Budget wieder ins Lot zu bringen und dabei die Finanzwirtschaft
und Spekulanten in das Steuersystem einzubeziehen", betonte Leitl. Weitere
Steuern seien dann auszuschließen, wenn es nun tatsächlich gelingt, die
notwendigen Reformen einzuleiten.
Er forderte: "Wenn der Finanzminister auf Drängen des Koalitionspartners nun
40 % des Konsolidierungsbedarfs aus Einnahmen darstellen muss, soll die
angekündigte Spekulationssteuer so dimensioniert werden, dass sie im ersten
Jahr die erforderlichen Einnahmen abdeckt und keine weiteren steuerlichen
Maßnahmen in den kommenden Jahren notwendig sind." Zudem gebe es genug
Einsparungsmöglichkeiten. Ob die großen Reformvorhaben gelingen, sei
Prüfstein dafür, ob sich die Regierung bei der Budgetsanierung "ebenso
erfolgreich schlägt wie bei der Abwehr der Wirtschaftskrise", meinte der
WK-Präsident.