03. Juni 2010 22:22
Während der Honorarstreit zwischen Gewerblichen-Krankenkasse SVA und der
Ärztekammer tobt, recherchierte ÖSTERREICH, wie es eigentlich mit den
Ärzte-Einkommen steht. Immerhin kämpft die Ärztekammer mit der SVA darum,
ihre im Vergleich zu Gebietskrankenkassen höheren Honorare nicht nur
beibehalten zu können, sondern auch anzuheben.
70 % der Ärzte haben mehr als 53.000 € im Jahr
Österreichs Ärzte gehören sicher zu den Topverdienern: Laut der ÖSTERREICH
vorliegenden Einkommenssteuer-Statistik 2007 haben 778 Ärzte ein höheres
Jahresbruttoeinkommen als 300.000 Euro (zum Vergleich: Der Bundespräsident
kassiert 320.000 Euro im Jahr, der Kanzler 285.000 Euro). Und nicht nur das:
Wie die Gehaltstabelle aus dem Finanzministerium zeigt, verdienen exakt 70
Prozent oder 11.806 Ärzte mehr als die Höchstbeitragsgrundlage von 53.759 €
im Jahr.
Dabei zeigt sich: Die meisten Mediziner liegen bei einem Jahreseinkommen
zwischen 60.000 und 100.000 Euro. Aber es gibt auch Geringverdiener: Knapp
30 Prozent der Mediziner haben ein geringeres Einkommen als 53.000 €. Laut
Patientenanwalt Gerald Bachinger handelt es sich dabei vor allem um
Allgemeinmediziner im städtischen Raum sowie (noch) nicht niedergelassene
Spitalsärzte.
Die Topverdiener sind im Gegensatz dazu vor allem bei den Fachärzten zu
finden. Konkret sind Röntgenologen sowie ärztliche Leiter von Labors nicht
nur „Götter in Weiß“, sondern vor allem sehr reiche Götter in Weiß.
Ebenfalls unter den Topverdienern: Chirurgen und Zahnärzte.
Honorarstreit geht vor allem um Laborleistungen
Pikanterweise geht es im Streit der Ärztekammer mit der Sozialversicherung
genau um diese Besserverdiener: SVA-Chef Gleitsmann will ja die Honorare für
Labors und Diagnoseinstitute schrittweise senken. Denn gerade dort herrschen
enorme Unterschiede: So verrechneten Labors der SVA für ein komplettes
Blutbild 13,04 Euro, die Gebietskrankenkasse in Wien zahlt indes nur 3,20
Euro – ein Unterschied von 307 Prozent.
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Ärzte: Brutaler Honorar-Streit mit der SVA
Auf den ersten Blick scheint sich der Streit zwischen der
Gewerblichen-Sozialversicherung (SVA) und der Ärztekammer zu
entspannen. SVA-Chef Martin Gleitsmann kündigte Verhandlungen für
kommende Woche an: „Es hat sich etwas bewegt.“
Die Patienten haben aber vorerst wenig davon: Die Gewerbetreibenden
sind als Folge des vertragslosen Zustandes de facto Privatpatienten
und bekommen daher vom Arzt auch eine Honorarnote ausgestellt. Damit
müssen sie dann zur SVA gehen und bekommen vom ursprünglichen
Kassentarif 80 Prozent rückvergütet.
Nur: Die Ärzte müssen sich nicht an den Honorarkatalog halten, sprich:
Die Patienten müssen für die Behandlung tiefer die Tasche greifen.
Und: Einkommensschwache Patienten – immerhin 60 Prozent der
SVA-Patienten haben eine Bemessungsgrundlage von unter 1.000 Euro –
können sich unter diesen Voraussetzungen einen Arztbesuch einfach
nicht mehr leisten.
SVA-Chef Martin Gleitsmann hat den Ärzten deshalb angeboten, arme
Patienten weiter per E-Card abzurechnen – doch die Ärztekammer sagte
Nein. Deshalb spricht Patientenanwalt Gerald Bachinger im
ÖSTERREICH-Interview jetzt davon, dass die Ärztekammer die sozial
Schwachen in Geiselhaft nimmt.
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ÖSTERREICH: Verdienen Ärzte zu viel?
Gerald Bachinger: Es gibt große Gehaltsunterschiede.
Allgemeinmediziner verdienen unterdurchschnittlich, Fachärzte, Labors
oder der Diagnostiker verdienen sehr gut. Dagegen ist ja an sich
nichts zu sagen.
ÖSTERREICH: Jetzt wollen die Ärzte im Streit mit der SVA höhere
Honorare.
Bachinger: Die Ärzte haben einen Kassenvertrag mit der SVA
aufgekündigt, der ihnen höhere Honorare zugesichert hat als Verträge
mit den Gebietskrankenkassen. Die Haltung der SVA, diese Honorare
abzusenken, ist nachvollziehbar.
ÖSTERREICH: Der Streit wird auf dem Rücken der Patienten
ausgetragen.
Bachinger: Ich gehe noch weiter: Die Ärztekammer nimmt sozial
Schwache in Geiselhaft. 60 Prozent sind Geringverdiener. Die SVA hat
angeboten, diese Patienten bei vierprozentiger Honorarerhöhung weiter
mit E-Card abzurechnen. Das wurde abgelehnt.
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