12. April 2010 07:06
Die Euro-Gruppe wird Athen bis zu 30 Mrd. Euro an Kredithilfe geben – zu
einem Zinssatz von rund 5 % – also wesentlich niedriger als die derzeit an
den Märkten verlangten Zinsen. Billiges Geld für Athen soll neben der EU vom
IWF kommen.
Pröll: „Signal an Märkte“
Österreich werde sich natürlich beteiligen, betonte Finanzminister Josef
Pröll – auf Basis seines Anteils in der EZB berechnet mit 2,86 %. Pröll
betonte, die Euro-Gruppe habe mit der Entscheidung ein „klares Signal an die
Märkte“ gesetzt.
Man habe die technische und finanzielle Struktur geschaffen und könne
„jederzeit den Hilfsmechanismus auslösen“. Wichtig sei, dass Griechenland im
Fall eines Hilfsansuchens „ab diesem Zeitpunkt sehr rigide kontrolliert“
werde.
Griechen müssen bitten. Um den Rettungsplan zu aktivieren, muss das mit 280
Mrd. Euro verschuldete Griechenland um Geld bitten. Bisher ist das nicht
geschehen. Morgen will Athen neue Staatspapiere in Milliardenumfang begeben.
Juncker: Griechenland-Hilfe keine Gefahr für Euro
Der Notfall-Kreditplan für Griechenland ist Eurogruppen-Chef
Jean-Claude Juncker zufolge keine Gefahr für die Gemeinschaftswährung.
Der Euro werde nicht aufgeweicht. Juncker betonte, dass damit der
Hilfsmechanismus nicht automatisch gestartet worden sei. Das obliege
Griechenland. Das südeuropäische Land hat bisher nicht um Hilfe
gebeten. Juncker betonte auch, dass das beschlossene Kreditprogramm
nicht gegen den EU-Vertrag verstoße.
Nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi garantiert
das Notfall-Paket die Stabilität des Euro. Die Einigung habe in
Europa das verhindert, was in den USA durch die Lehman-Pleite
passiert sei. Ohne die Einigung hätten andere Länder und
Institutionen von der Krise angesteckt werden können. Bin Smaghi
kündigte an, der EU-Rat werde an einer Reform arbeiten, um die
Kontrolle der öffentlichen Finanzen und struktureller Divergenzen zu
verstärken.
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Griechen schulden Österreichs Banken Milliarden
Griechenland ist mit rund 4,5 Mrd. Euro bei den heimischen Banken
verschuldet, geht aus den aktuellesten verfügbaren Zahlen der Bank für
Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ; Ende September 2009) hervor.
Das "Exposure" der deutschen Banken war mit 43 Mrd. Dollar
vergleichsweise schwächer. Diese Daten umfassen noch nicht
griechische Emissionen der letzten Monate, die europäische Institute
wieder gezeichnet haben.
Größte Gläubiger Griechenlands sind mit rund 75 Mrd. Dollar die
französischen Finanzinstitute, berichtet Reuters. Die Schweizer Banken
sind laut BIZ mit 64 Mrd. Dollar ebenfalls stark exponiert.
In Österreich hatte die Erste Group, wie UBS-Analysten nach einem
Investorengespräch Mitte Jänner schrieben, Anfang des Jahres ein
Griechenland-Exposure von rund 1 Mrd. Euro, davon entfielen 700 Mio.
Euro auf Staatsanleihen, der Rest auf Banken. Die RZB-Gruppe
bezifferte Mitte Februar das Griechenland-Exposure (Sovereign/Staat,
Financial Institutions, Corporate Risk) mit aktuell etwas weniger als
300 Mio. Euro. Fast ausschließlich aus Anleihen besteht in der
Volksbank AG (ÖVAG) das 187 Mio. Euro schwere Griechenland-Exposure.
Um 90 Mio. Euro in griechischen Staatsanleihen geht es bei der BAWAG
PSK. Die Bank Austria macht keine Angaben.
In Deutschland soll die verstaatlichte Hypo Real Estate "unter 10
Mrd. Euro" hergeborgt haben, die Commerzbank hat laut Reuters
wenigstens 3,1 Mrd. Euro in den Büchern - ebensoviel wie die
DZ-Bank. Die Münchener Rück hat nach Eigenangaben von Anfang März ein
Exposure von 2,1 Mrd. Euro. Sie soll laut Finanzkreisen auch bei den
letzten Auktionen kräftig zugegriffen haben.
Die Allianz hat laut Reuters 0,9 Mrd. Euro an Krediten gegeben, die
Postbank 1,3 Mrd. Euro. Die Deutsche Bank selbst hat nach Eigenangaben
"relativ geringes" Exposure.
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Griechenland-Hilfe: Kein neues Gesetz in Österreich nötig
Die Republik Österreich benötigt kein neues Gesetz, um bilaterale
Kredithilfe für Griechenland zu leisten und kann bei Bedarf rasch
handeln. Seit Frühjahr 2009 darf die Republik bis zu 2 Mrd. Euro pro
Land locker machen, für 1 Mrd. Euro ist für heuer im Budget
vorgesorgt. Auch ein Abruf des gesamten Griechenland-Rahmens würde
sich für den Budgetvollzug also nicht nachteilig auswirken.
Das "Zahlungsbilanzstabilisierungsgesetz" wurde 2009 im Zusammenhang
mit EU-Unterstützungszusagen für osteuropäische Länder beschlossen.
Das Gesetz ermächtigt den Finanzminister, Zahlungsbilanzhilfe an eng
mit Österreich verflochtene Länder zu leisten, um damit erhebliche
Umsatz- und Ertragsausfälle österreichischer Unternehmen zu verhindern.
Die Republik Österreich kann kurzfristig reagieren, denn die
Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) sei verpflichtet, Liquidität
vorzuhalten, so Finanzministeriums-Sprecher Harald Waiglein. Die
Refinanzierung erfolge über die ÖBFA, entweder bei den monatlichen
Auktionen oder über andere Instrumente. Wie hoch der Unterschied
zwischen den Kapitalkosten und den Kreditbedingungen für einen
Griechenlandkredit ausfallen wird, "hängt davon ab, wann wieviel auf
welche Laufzeiten abgerufen wird."
Derzeit beträgt die Rendite auf zehnjährige österreichische
Staatsanleihen 3,53 % (Sekundärmarkt), sie liegt damit 36 Basispunkte
über den deutschen "Bunds". Laut RZB liegt die österreichische Rendite
auf 5 Jahre derzeit bei 2,5 %. Finanzminister Pröll hat erklärt, dass
Griechenland im Fall eines Hilfsansuchens "sehr rigide überprüft und
kontrolliert" werden würde.
Die gebotenen Konditionen sind in jedem Fall massiv günstiger als
jene, die Griechenland bis zum vergangenen Wochenende bekommen hat -
nämlich 7,5 %. Je nach Laufzeit und zur Anwendung kommender
Berechnungsformel wird für die Griechenlandanleihen der Euroländer
eine Rendite von grob gerechnet 5 % angenommen.
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Papandreou: "EU weist Spekulanten in Schranken"
Mit ihrem jüngsten Notfallplan für Griechenland weisen die Euro-Länder
nach Ansicht von Ministerpräsident Giorgos Papandreou internationale
Spekulanten in die Schranken. "Mit der heutigen Entscheidung
sendet Europa ein klares Signal, dass nun niemand mehr mit unserer
gemeinsamen Währung spielen kann, niemand kann mit unserem gemeinsamen
Schicksal spielen", teilte Papandreou am Sonntagabend mit. "Es
ist eine bedeutende Entscheidung sowohl für Europa als auch die
Europäische Union."
Die Finanzminister der Euro-Zone hatten sich zuvor auf Konditionen
möglicher Hilfskredite an das hochverschuldete Griechenland geeinigt.
Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou betonte
erneut, Griechenland habe nicht um bilaterale Hilfen gebeten. Der
Beschluss der Euro-Länder sei ein Vertrauensbeweis der EU-Partner in
Griechenland.
Griechenland macht seine Bitte um Hilfskredite der Euro-Länder und des
Internationalen Währungsfonds (IWF) von der Entwicklung der
Marktzinsen abhängig. Die Regierung werde die Risikoaufschläge in den
nächsten Tagen beobachten und dann entscheiden, ob sie die Hilfe
anfordern werde, sagte ein Mitarbeiter des griechischen
Finanzministeriums. Der Vertreter des griechischen Finanzministeriums
begrüßte den Beschluss der Finanzminister der Euro-Zone und erklärte:
"Die Waffe ist nun geladen."
Laut dem Ministeriumsmitarbeiter werde Griechenland in den kommenden
drei Jahren Hilfskredite erhalten, die in der Summe "wesentlich
höher als 40 Mrd. Euro" ausfallen dürften. Wenn benötigt,
würde der IWF in diesem Jahr mindestens 10 Mrd. Euro zur Verfügung
stellen. Von den Euro-Zonen-Staaten könnte die Regierung in Athen
2010 zudem mindestens 30 Mrd. Euro erhalten. Die Hilfszusage sei
höher ausgefallen, als es Griechenland erwartet habe, sagte er.
Griechenland steht unter wachsendem Druck, wegen seines immensen
Schuldenbergs die Euro-Zone und den IWF um Unterstützung zu bitten.
Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen waren in der
vergangenen Woche auf neue Rekordwerte gestiegen. Am Dienstag will
Griechenland Staatspapiere mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit über
insgesamt 1,2 Mrd. Euro ausschreiben.
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