09. März 2010 06:50
Klugars Vertrag läuft noch bis Ende 2010, er wird jedoch bereits ab 7. Juni
das Feld räumen. Er wird mit seinem Nachfolger einen "sinnvollen
Übergang im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" vereinbaren, sagte
er im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radio.
Sein Rücktritt sei freiwillig erfolgt, die Krankendatenaffäre sei bereinigt
und spiele keine Rolle. "Ich muss nicht gehen, sondern ich werde gehen.
Mein Vertrag läuft Ende des Jahres aus, ich bin über 60 Jahre",
sagte der scheidende ÖBB-Boss, der sich von der Koalition eine "einheitliche
Linie" in Sachen Bahn wünscht.
Der Klugar-Nachfolger Kern soll die Absatzagenden, die bisher Gustav
Poschalko innehat, in die Hand bekommen. Der 44-Jährige wurde von der SPÖ
ins Rennen geschickt, sein Vertrag beim Verbund läuft erst Ende 2011 aus.
Franz Seiser, der designierte Nachfolger von Holding-Vorstand Gustav
Poschalko, will die Bundesbahnen "als den erfolgreichsten und
nachhaltigen Mobilitätsdienstleister positionieren".
Infrastrukturministerin Bures sieht mit der heutigen Personalentscheidung
die ÖBB "strukturell und personell für die großen
Herausforderungen gut aufgestellt". Für das neue Management gebe es
drei zentrale Aufgaben: Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn, eine
Marktoffensive im Personen- und Güterverkehr sowie die "effiziente
und beschäftigungswirksame Umsetzung" des massiven Ausbaus der
Schiene.
Stimmen zur Personalentscheidung: VP-Kritik - Industrie erfreut
Kritische Worte kommen von der ÖVP. "Die heutigen
Entscheidungen des ÖBB-Vorstandes geben leider keinerlei Anlass zu
Optimismus, weil Gewerkschaftschef Haberzettel und Co. offenkundig
weiterhin das Zepter bei den ÖBB in Händen halten",
meint ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier. Weiterhin gebe es einen
Dreiervorstand, "ausgemacht und zugesagt" sei eine
Verschlankung auf zwei Mitglieder gewesen. Ministerin Bures ei "wortbrüchig"
geworden, laut Maiers Meinung "auf Druck der
Eisenbahnergewerkschafter". Die Bestellung von Kern erfolgte im
Aufsichtsrat einstimmig - also auch mit den Stimmen des "ÖVP-Freundeskreises",
hieß es aus informierten Kreisen.
Angesichts der Sparmaßnahmen der Ministerien sei diese Entscheidung "eine
echte Chuzpe", kritisierte Maier. Der neue Vorstand der ÖBB gehe
jedenfalls mit einem denkbar schweren Rucksack, den ihm die eigenen
Parteifreunde umgehängt haben, in seine neue Aufgabe, schlussfolgert
der VP-Verkehrssprecher.
Als "Chance, die es im Sinne des gesamten Industrie- und
Arbeitsstandortes zu nutzen gilt" bezeichnete indessen
IV-Präsident Veit Sorger die personelle Neuaufstellung der ÖBB. Kern
habe sich beim Verbund als Manager "ein klares Profil
erarbeitet, das ihn auf die neuen Herausforderungen zweifellos gut
vorbereitet".
Sorger betonte, es gelte, "Infrastrukturausbau als
Zukunftsinvestition zu verstehen, die strategisch anzulegen und mit
dem notwendigen Commitment auch der Politik mittel- und langfristig
umzusetzen ist". Dies komme - richtig gemacht - der
Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft zugute. Der
IV-Präsident würdigte auch den scheidenden ÖBB-Chef Peter Klugar,
der das Unternehmen in schwierigen Zeiten geführt und für die Bahn
wesentliche Fragen adressiert habe.
Das BZÖ fordert erfolgsabhängige Managerentlohnung: "Nach
den schlechten Erfahrungen mit ihren Vorgängern, die Millionen
verspekuliert haben, sollten die Managergehälter von Kern - der gleich
100.000 Euro mehr kassieren wird als sein Vorgänger - und Seiser
nicht nur Erfolgs-Boni beinhalten, sondern auch Abzüge, wenn sie
ähnlich schlecht wirtschaften", so BZÖ-Verkehrssprecher
Christoph Hagen.
Bei den ÖBB solle das "herrschende Chaos" endlich
beendet werden und das Pensionsantrittsalter hinaufgesetzt werden. "Viele
ÖBB-Bedienstete wollen noch gar nicht in den Ruhestand. Sie werden
einfach vom ÖBB-Management abgeschoben", kritisiert er.
Der "ehemalige SPÖ-Parteisoldat Kern" solle beweisen,
dass seine Besetzung nicht nur der übliche Postenschacher sei.
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Pöchhacker bestätigt: ÖBB-Güterverkehr 2009 mit
100 Mio. Verlust
Die Güterverkehrssparte der ÖBB hat 2009 einen operativen Verlust von
100 Mio. Euro eingefahren, bestätigte Bahn-Aufsichtsratschef Horst
Pöchhacker einen Tag nach der Aufsichtsratssitzung. Aufgrund der
"einmaligen Krise" habe sich ein Umsatzeinbruch von 500 Mio. Euro
ergeben, allerdings seien 400 Mio. Euro bereits eingespart. Mit diesen
Kosteneinsparungen werde man beim nächsten Aufschwung sehr profitieren
und wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Personenverkehr und
Infrastruktur seien hingegen in der Bilanz 2009 im Plus.
Der designierte Bahn-Chef Christian Kern sei "sein Geld absolut wert",
meinte Pöchhacker. Dass Kern ein Fünftel mehr verdienen soll als sein
Vorgänger Peter Klugar, relativierte der oberste Bahn-Aufseher. In der
ÖIAG werde "viel mehr gezahlt", Kern bekomme bei den ÖBB weniger als
beim Verbund. Bei der Staatsbahn erwarte ihn außerdem "eine
Riesenverantwortung und ein Riesenstress".
Kern könne auf der zweijährigen Arbeit Klugars aufsetzen. Schon bisher
sei einiges passiert. Die Struktur sei bereinigt, die Pünktlichkeit
der Schnellbahnzüge sei von unter 80 % wieder auf über 90 % gestiegen.
Nun gelte es, die Kundeninformation im Störungsfall zu lösen, wobei
auch das schon eingeleitet worden sei.
Die Frage des niedrigen Pensionsalters der Eisenbahner von momentan
52,4 Jahren sei eine politische. In der blau-schwarzen Koalition sei
es ein Mittel zum Zweck gewesen, den Personalstand zu senken - was
gelungen sei: 6.000 Leute weniger in den Jahren 2004 bis 2006. Es sei
aber klar, dass das nicht so weiter gehen könne, meinte Pöchhacker.
Ebenfalls eine politische Lösung erwartet er bei den
Pflegegeldabrechnungen für pensionierte ÖBBler. "Das ist ja Geld
Republik gegen Republik." Sollte sich das Finanzministerium von der
Bahn 1 Mrd. Euro holen wollen, dass sei das für die Bahn ein
Riesenproblem: "Vernichtung des Eigenkapitals, und die Republik hat
keinen Euro mehr."
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