09. März 2010 06:50

Seiser folgt Poschalko 

Fix: Christian Kern wird neuer Bahn-Chef

Der ÖBB-Aufsichtsrat hat heute die Weichen für die neue Bahnführung gestellt: Der bisherige Verbund-Manager Christian Kern wird die neue Nummer eins bei den ÖBB. Er löst damit Peter Klugar ab. Nachfolger des ÖBB-Absatzvorstandes Gustav Poschalko wird per 1. April ÖBB-Werkstätten-Chef Franz Seiser.

Fix: Christian Kern wird neuer Bahn-Chef
© Singer TZ ÖSTERREICH
Fix: Christian Kern wird neuer Bahn-Chef

Klugars Vertrag läuft noch bis Ende 2010, er wird jedoch bereits ab 7. Juni das Feld räumen. Er wird mit seinem Nachfolger einen "sinnvollen Übergang im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" vereinbaren, sagte er im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radio.

Sein Rücktritt sei freiwillig erfolgt, die Krankendatenaffäre sei bereinigt und spiele keine Rolle. "Ich muss nicht gehen, sondern ich werde gehen. Mein Vertrag läuft Ende des Jahres aus, ich bin über 60 Jahre", sagte der scheidende ÖBB-Boss, der sich von der Koalition eine "einheitliche Linie" in Sachen Bahn wünscht.

Der Klugar-Nachfolger Kern soll die Absatzagenden, die bisher Gustav Poschalko innehat, in die Hand bekommen. Der 44-Jährige wurde von der SPÖ ins Rennen geschickt, sein Vertrag beim Verbund läuft erst Ende 2011 aus.

Franz Seiser, der designierte Nachfolger von Holding-Vorstand Gustav Poschalko, will die Bundesbahnen "als den erfolgreichsten und nachhaltigen Mobilitätsdienstleister positionieren".

Infrastrukturministerin Bures sieht mit der heutigen Personalentscheidung die ÖBB "strukturell und personell für die großen Herausforderungen gut aufgestellt". Für das neue Management gebe es drei zentrale Aufgaben: Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn, eine Marktoffensive im Personen- und Güterverkehr sowie die "effiziente und beschäftigungswirksame Umsetzung" des massiven Ausbaus der Schiene.

Stimmen zur Personalentscheidung: VP-Kritik - Industrie erfreut

Kritische Worte kommen von der ÖVP. "Die heutigen Entscheidungen des ÖBB-Vorstandes geben leider keinerlei Anlass zu Optimismus, weil Gewerkschaftschef Haberzettel und Co. offenkundig weiterhin das Zepter bei den ÖBB in Händen halten", meint ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier. Weiterhin gebe es einen Dreiervorstand, "ausgemacht und zugesagt" sei eine Verschlankung auf zwei Mitglieder gewesen. Ministerin Bures ei "wortbrüchig" geworden, laut Maiers Meinung "auf Druck der Eisenbahnergewerkschafter". Die Bestellung von Kern erfolgte im Aufsichtsrat einstimmig - also auch mit den Stimmen des "ÖVP-Freundeskreises", hieß es aus informierten Kreisen.

Angesichts der Sparmaßnahmen der Ministerien sei diese Entscheidung "eine echte Chuzpe", kritisierte Maier. Der neue Vorstand der ÖBB gehe jedenfalls mit einem denkbar schweren Rucksack, den ihm die eigenen Parteifreunde umgehängt haben, in seine neue Aufgabe, schlussfolgert der VP-Verkehrssprecher.

Als "Chance, die es im Sinne des gesamten Industrie- und Arbeitsstandortes zu nutzen gilt" bezeichnete indessen IV-Präsident Veit Sorger die personelle Neuaufstellung der ÖBB. Kern habe sich beim Verbund als Manager "ein klares Profil erarbeitet, das ihn auf die neuen Herausforderungen zweifellos gut vorbereitet".

Sorger betonte, es gelte, "Infrastrukturausbau als Zukunftsinvestition zu verstehen, die strategisch anzulegen und mit dem notwendigen Commitment auch der Politik mittel- und langfristig umzusetzen ist". Dies komme - richtig gemacht - der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft zugute. Der IV-Präsident würdigte auch den scheidenden ÖBB-Chef Peter Klugar, der das Unternehmen in schwierigen Zeiten geführt und für die Bahn wesentliche Fragen adressiert habe.

Das BZÖ fordert erfolgsabhängige Managerentlohnung: "Nach den schlechten Erfahrungen mit ihren Vorgängern, die Millionen verspekuliert haben, sollten die Managergehälter von Kern - der gleich 100.000 Euro mehr kassieren wird als sein Vorgänger - und Seiser nicht nur Erfolgs-Boni beinhalten, sondern auch Abzüge, wenn sie ähnlich schlecht wirtschaften", so BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen.

Bei den ÖBB solle das "herrschende Chaos" endlich beendet werden und das Pensionsantrittsalter hinaufgesetzt werden. "Viele ÖBB-Bedienstete wollen noch gar nicht in den Ruhestand. Sie werden einfach vom ÖBB-Management abgeschoben", kritisiert er. Der "ehemalige SPÖ-Parteisoldat Kern" solle beweisen, dass seine Besetzung nicht nur der übliche Postenschacher sei.

Pöchhacker bestätigt: ÖBB-Güterverkehr 2009 mit 100 Mio. Verlust

Die Güterverkehrssparte der ÖBB hat 2009 einen operativen Verlust von 100 Mio. Euro eingefahren, bestätigte Bahn-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker einen Tag nach der Aufsichtsratssitzung. Aufgrund der "einmaligen Krise" habe sich ein Umsatzeinbruch von 500 Mio. Euro ergeben, allerdings seien 400 Mio. Euro bereits eingespart. Mit diesen Kosteneinsparungen werde man beim nächsten Aufschwung sehr profitieren und wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Personenverkehr und Infrastruktur seien hingegen in der Bilanz 2009 im Plus.

Der designierte Bahn-Chef Christian Kern sei "sein Geld absolut wert", meinte Pöchhacker. Dass Kern ein Fünftel mehr verdienen soll als sein Vorgänger Peter Klugar, relativierte der oberste Bahn-Aufseher. In der ÖIAG werde "viel mehr gezahlt", Kern bekomme bei den ÖBB weniger als beim Verbund. Bei der Staatsbahn erwarte ihn außerdem "eine Riesenverantwortung und ein Riesenstress".

Kern könne auf der zweijährigen Arbeit Klugars aufsetzen. Schon bisher sei einiges passiert. Die Struktur sei bereinigt, die Pünktlichkeit der Schnellbahnzüge sei von unter 80 % wieder auf über 90 % gestiegen. Nun gelte es, die Kundeninformation im Störungsfall zu lösen, wobei auch das schon eingeleitet worden sei.

Die Frage des niedrigen Pensionsalters der Eisenbahner von momentan 52,4 Jahren sei eine politische. In der blau-schwarzen Koalition sei es ein Mittel zum Zweck gewesen, den Personalstand zu senken - was gelungen sei: 6.000 Leute weniger in den Jahren 2004 bis 2006. Es sei aber klar, dass das nicht so weiter gehen könne, meinte Pöchhacker.

Ebenfalls eine politische Lösung erwartet er bei den Pflegegeldabrechnungen für pensionierte ÖBBler. "Das ist ja Geld Republik gegen Republik." Sollte sich das Finanzministerium von der Bahn 1 Mrd. Euro holen wollen, dass sei das für die Bahn ein Riesenproblem: "Vernichtung des Eigenkapitals, und die Republik hat keinen Euro mehr."


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