24. Februar 2012 17:30

"Keine Zeit verlieren" 

Griechen machen Angebot für Schuldenschnitt

Private Gläubiger sollen auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten.

Griechen machen Angebot für Schuldenschnitt

Die griechische Regierung hat am Freitag Banken und anderen privaten Finanzhäusern das offizielle Angebot zum Schuldenschnitt unterbreitet. Das entsprechende Dokument wurde vom Ministerrat gebilligt. Details des Programms sollten im Laufe des Tages bekanntgegeben werden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa. "Wir dürfen keine Zeit verlieren." Wie das Ministerium am Abend mitteilte, würden die Angaben auf einer Internet-Seite veröffentlicht werden.

Schuldenschnitt
Am Donnerstag hatte das griechische Parlament nach siebenstündiger Debatte das Gesetz für einen Schuldenschnitt gebilligt. Für das Gesetz stimmten die Fraktionen der Sozialisten und der Konservativen im Block, wie das Präsidium des Parlaments mitteilte. Der Schuldenschnitt soll die griechische Schuldenlast um 107 Mrd. Euro verringern. Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten.

Das Gesetz sieht laut Finanzministerium vor, dass die privaten Gläubiger auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte.

Konditionen
Hinzu kommt der Tausch der restlichen Papiere zu deutlich schlechteren Bedingungen. Die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von 2 Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen - bis 2021 auf 3,0 Prozent, danach 4,3 Prozent. Verzicht und veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten auf einen Verlust von mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ratingagenturen Griechenland nach Durchführung des Schuldenerlass vorrübergehend für pleite erklären - obwohl die Maßnahme zusammen mit dem zweiten Rettungspaket der internationalen Geldgeber das Land ja gerade vor dem Bankrott retten soll. Allerdings wäre die Herbabstufung der Ratingagenturen technisch bedingt: Ein Schuldenschnitt bedeutet eben auch, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann und damit de facto insolvent ist. Gefährlich wäre ein Staatsbankrott allerdings erst dann, wenn Athen keine weitere Unterstützung erhält und tatsächlich seine laufenden Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, also zum Beispiel auch keine Renten oder Gehälter im öffentlichen Dienst.

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9 Postings
Conrad Blumauer meint am 25.02.2012 16:56:06 ANTWORTEN >
Europa muß sich ändern! Jetzt das griechische Volk ausbluten zu lassen ... eigentlich eine Frechheit! In den Spitälern mangelt es bereits an Spritzen etc. ... die Bevölkerung in Athen verheizt ihre Möbel, weil Öl und Gas bereits für viele unbezahlbar ist. Jetzt wurde auch noch Brennholz mit einer Sondersteuer belegt ...

Ich frage mich, ob hier nicht gezielt versucht wird die Europäische Union zu zerschlagen.

Dabei liegt die Lösung des Problems eigentlich auf der Hand:

BANKEN GEHÖREN VERBOTEN!

Niemand hat das Recht Geld - durch Spekulationen oder wie auch immer - kaputt zu machen. Als Alternative für Banken sollte es wieder Sparkassen geben, die keinen Gewinn machen dürfen und die die Überschüsse wieder ins Volk zurückführen müssen.
Das griechische Volk - noch dazu unter dem Existenzminimum - auszuquetschen ist auf jeden Fall unzumutbar und zeigt nur die Unfähigkeit unserer "Experten"!
lenin021 meint am 25.02.2012 13:23:17 ANTWORTEN >
Ob man die Wirtschaft der Griechen beleben sollte ist, wenn man sich die hoffnungslose EU und ihre Granden ansieht, zweifelhaft. Das mit der Dienstleistung sehe ich genauso!
Die 130 Mia sind in Verbindung mit dem was schon zugeschossen wurde.....verloren.
Das ist Realität!
lenin021 meint am 25.02.2012 13:20:43 ANTWORTEN >
Mir ist nicht klar ob die Wessis nicht wissen dass in Griechenland ein anderes System herrscht. Griechenland hätte niemals in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen. Griechen, fernab der Touristenmetropolen, zahlen nicht mit Geld. Sie zahlen mit Dienstleistung und Tauschhandel wie es in den Ursprüngen stattgefunden hat. Wieviel Steuer will man abliefern wenn ein Mann sein Auto reparieren lässt und dafür einen Schaden am Haus behebt. Wenn die EU, mit ihren Wirrköpfen, so weitertut und das tut sie und noch dazu immer hektischer, wird es wieder in die Zeit vor Christi zurückgehen. Die Serben sind der nächste Kandidat....man hat dieses Land in die Steinzeit zurückgebombt und jetzt erwartet man bares von einem Land das ausgeblutet ist aber auch mal vom großen Kuchen naschen will.
Krank kann ich nur sagen. Echt krank!
Frosch meint am 25.02.2012 08:53:57 ANTWORTEN >
Es ist völlig unerheblich ob Griechenland dieser Schuldenschnitt zugebilligt wird oder nicht. Dieses Land hält derzeit bei ca. 360 Mrd Schulden - nach dem Schuldenstand sind es dann ca. 170 Mrd Euro - auch das wird Griechenland nicht bezahlen können.
Das Land steckt in einer Depression und rezessiert aktuell mit über 6 % und für die vornehmlich auf Dienstleistungen orientierte Wirtschaft ist keine Erholung in Sicht.
Griechenland wäre auch ohne Schulden und vor allem den damit verbundenen Zinszahlungen ein schwer komatöser Patient - diese oktruierten und unsäglichen Sparmaßnahmen durch dieses noch unsäglichere Horrorduo Merkozy waren der Super-GAU.
Zusätzlich drohen bei den baldigen Wahlen instabile politische Verhältnisse und die griechische Tragödie schreibt sich fort.
Griechenland braucht einen Marshallplan, der die Wirtschaft belebt, ohne dass dabei die Bevölkerung ins Elend gestoßen wird.
P.S. Der Rest Europas profitierte von Griechenlands negativer Handelsbilanz immer sehr gut!
oe26 meint am 24.02.2012 23:16:49 ANTWORTEN >
Meine Kristallkugel hatte übrigens auch noch bei etwas anderem recht. Letztes Jahr hatte sie vorausgesagt, dass wir im Jänner 2012 das AAA-Rating verlieren. (Sicher irgendwo bei oe24 nachzulesen, dass das meine Kristallkugel vorausgesagt hatte.) Und genau so ist es auch gekommen. Mitte Januar kam die erste Herabstufung.

Meine Kristallkugel ist halt ein echtes Qualitätsprodukt.

Vielleicht sollte man sich langsam überlegen, ob nicht etwas Wahres darin liegen könnte, wenn ich sage, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, die Probleme zu lösen: nämlich Obergrenzen für Einkommen und Vermögen.

Aber ich wiederhole es in der nächsten Zeit gerne wieder. Und meine Kristallkugel wird uns den weiteren Weg Österreichs zeigen.
oe26 meint am 24.02.2012 23:06:07 ANTWORTEN >
Auf einer anderen news-Seite habe ich gerade gelesen, dass die EZB wie wild Geld druckt.

Wer meine Einträge bei oe24 mitverfolgt, wird gelesen haben, dass das meine Kristallkugel auch schon vorhergesagt hatte.

Scheint leider echt gut zu funktionieren, meine Kristallkugel.
oe26 meint am 24.02.2012 21:27:55 ANTWORTEN >
Meine Kristallkugel hat heute zu mir gesprochen. Und es war interessant. Sie hat folgendes prognostiziert:

Mit den EU-Staaten gehts weiter bergab. Immer schlechter werden ihre Rankings. Trotz Sparpakete schaffen sie es alle nicht, ihre Schulden abzubauen. Alle geschnürten Hilfspakete stellen sich als Flops heraus. Werte werden regelrecht vernichtet. Gewinner sind ein paar wenige Reiche. Verlierer alle anderen. Die Armut greift in ganz Europa um sich. Steigende Kosten und steigende Arbeitslosenzahlen allerorts. In vielen Ländern brechen Unruhen aus. Es kommt teilweise zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Die Machthabenden lassen das Militär für sich aufmarschieren, um sich zu schützen.

Ob meine Kristallkugel Recht hat? Sie war etwas verstaubt. Ich konnte nicht alles klar erkennen.
Mag. Robert Cvrkal meint am 24.02.2012 21:18:27 ANTWORTEN >
Auch hier dürfte mal wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht worden sein. Viele Gläubiger haben ihre Forderungen mittels Credit Default Swaps abgesichert und würden hohe Summen verlieren, wenn sie auf dieses Angebot eingehen würden.

Mittlerweile wird bereits vom 3. Hilfspaket für Griechenland gesprochen, womit letzten Endes das Beharren auf einer laut Wirtschaftsexperten falschen Strategie, welche nur den Banken und Spekulanten jedoch mit Sicherheit nicht den Hellenen zugute kommt zu kaum verkraftbaren Belastungen für die noch einigermaßen haushaltenden Staaten wie Deutschland oder Österreich kommen dürfte.

Aufgrund der durch die Troika erzwungenen Sparmaßnahmen gibt es in Griechenland eine allgemeine Verarmung der Bevölkerung sowie eine verlorene junge Generation ohne Zukunftsperspektiven. Die Antwort der Griechen wird bei den nächsten Wahlen kommen, wo jene die gegen die EU und das Sparprogramm mobilisieren die Nase vorn haben werden und eine verfassungsmäßige Absicherung der Vereinbarung mit der Troika nur im Wunschdenken der Machthaber stattfinden wird. Letzten Endes werden die Steuerzahler der Geberländer wieder einmal die Zeche bezahlen müssen.
stefanmatun meint am 24.02.2012 18:01:30 ANTWORTEN >
macht ja nichts, bezahlt eh der steuerzahler.
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