17. März 2010 07:16
Es ist der Aufreger der gestrigen Präsentation der Bilanz 2009 der
Österreichischen Post: Obwohl das Unternehmen einen harten Sparkurs fahren
muss, dem wieder Hunderte Jobs zum Opfer fallen werden, pocht der
Aufsichtsrat auf eine Erhöhung seiner Vergütung. Ein entsprechender Antrag
ging am Montag (gegen die Stimmen der vier Belegschafts- und eines
Kapitalvertreters) durch.
42.000 statt 28.900
Aufsichtsratschef der Post ist ÖIAG-Chef Peter Michaelis (die Staatsholding
hält 52 % an der Post). Statt der im Geschäftsbericht bereits verbuchten
25.000 Euro Vergütung will er rückwirkend für 2009 satte 30.000 Euro von der
Post. Die anderen Kapitalvertreter sollen statt 20.000 rund 25.000 Euro
erhalten.
Dazu wollen Michaelis und Co eine "Vergütung für den Prüfungsausschuss“, die
es bislang nicht gab: 12.000 für Michaelis und je 8.000 für die übrigen
Mitglieder. Begründung: Andere Firmen würden mehr zahlen. Michaelis kassiert
als ÖIAG-Chef 715.000 Euro Jahresgage.
Betriebsrat appelliert an Pröll
Offiziell muss die Erhöhung von der Hauptversammlung am 24. April
beschlossen werden. ÖSTERREICH-Recherchen ergeben, dass der Betriebsrat sich
bereits an Finanzminister Pröll gewendet hat. Dieser solle "diese
Ungeheuerlichkeit stoppen“. Michaelis wehrt sich: Er gebe die Erhöhungen an
die ÖIAG weiter.
Der Post ist es jedenfalls 2009 nicht rosig ergangen. Beim Betriebsergebnis
(EBIT) gab es gegenüber 2008 ein Minus um 11,9 % auf 149,4 Mio. Euro. Der
Gewinn brach um 33 % auf knapp 80 Mio. ein. Der Umsatz ging um 3,5 % auf
2,35 Mrd. Euro zurück. Die Dividende für 2009 soll wie im Vorjahr 1,5 Euro /
Aktie betragen; eine Sonderdividende gibt es nicht.
900 Jobs streichen
Bei den beamteten Postlern geht der Stellenabbau weiter. 2009 wurden 1.081
Jobs gestrichen, heuer sollen es laut Postchef Georg Pölzl 800 bis 900 sein
– der Großteil durch natürliche Fluktuation. Etwa 500 Postbeamte sind
derzeit im Karriere- und Entwicklungscenter (KEC) freigestellt. Rund 150
Postler haben bisher zur Polizei gewechselt.
Mehr Geld für Aufsichtsräte: Kaltenegger fordert Verzicht
Der Plan der Post, die Vergütung für ihre Aufsichtsräte zu steigern,
stößt auch in der ÖVP nicht auf Sympathie. ÖVP-Generalsekretär Fritz
Kaltenegger hat dafür "überhaupt kein Verständnis" und "geht davon
aus", dass die Gremien der Post "das abschmettern". Auch die
Öffentlichkeit generell und die Post-Mitarbeiter im Speziellen hätten
angesichts des geplanten Mitarbeiterabbaus und des schlechteren
Ergebnisses dafür kein Verständnis, so Kaltenegger.
Kaltenegger fordert aber auch von Aufsichtsratsvorsitzenden Peter
Michaelis selber einen Verzicht auf die Erhöhung: "Ich gehe davon aus,
dass der Aufsichtsratsvorsitzende weiß, was dieses Signal bedeutet und
seinen Vorschlag zurückzieht". Kaltenegger hat seinen Vorstoß "mit dem
Finanzminister beraten".
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