07. März 2010 09:28
Die kalabrische Mafia hat laut Staatsanwaltschaft Rom ein
Zwei-Milliarden-Ding gedreht und Österreich steht mitten drinnen in dem
Betrugsskandal. Laut "profil" wurden heimische Banken im großen
Stil zur Geldwäsche heran gezogen. Ermittelt wird gegen 60 Personen. Die
Rede ist von 14 Konten bei Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank und Anglo
Irish Bank Austria.
Geldwäsche und Steuerbetrug
Überweiser waren die beiden italienischen Telekom-Konzernen Fastweb und
Telecom Italia Sparkle. Die Staatsanwaltschaft Wien hat sich bereits an die
Fersen der mutmaßlichen Geldwäscher geheftet. Ermittelt wird auch wegen
Steuerhinterziehung in Höhe von 365 Millionen Euro.
Geldübergaben in Wiener Lokalen
Das komplizierte Karussellspiel des organisierten Verbrechens soll sich
vorwiegend in Wien gedreht haben. Die italienische Justiz hat demnach
dutzende Treffen und Telefonate der Bande abgehört und genauestens
dokumentiert. In dem Dossier der italienischen Behörden sind Fotos von
Treffen in noblen Restaurants zu sehen, bei denen Geldübergaben in
Louis-Vuitton-Taschen vorgenommen wurden.
Und so funktionierte das System: Über Auslandsgesellschaften wurde Mafiageld
für fiktive Dienste an etablierte italienische Telekom-Unternehmen
überwiesen. Diese überweisen das Geld nach Abzug einer Prämie weiter an
Briefkastengesellschaften der Mafia, die ebenfalls erfundene
Dienstleistungen verrechnen. Über weitere Tarngesellschaften, die jeweils
einen Anteil abzweigen, wurde das Geld weißgewaschen und am Ende wieder den
Großkonzernen zugeführt - dann konnte das Spiel von Neuem beginnen.
Die betroffenen österreichischen Banken berufen sich auf das Bankgeheimnis
und wollten zu den konkreten Ermittlungsergebnissen der römischen Justiz
keine Stellungnahme abgeben. Laut "profil" haben die Banken wegen
der Transaktionen ihrer italienischen Kunden aber selbst Meldung bei der
Geldwäschestelle im Bundeskriminalamt erstattet. Im Frühherbst 2007 waren
nach einem Rechtshilfeersuchen aus Rom auf Anordnung der Staatsanwaltschaft
Wien die verdächtigen Konten bei Anglo Irish Bank, Bank Austria und RZB
geöffnet worden.