30. Juni 2010 08:02
© TZ Oesterreich Juvan Norbert
Dienstag früh in der Postgasse 8. Im dritten Stock der Post-Zentrale nehmen
die vier Belegschaftsvertreter des Unternehmens vor dem Sitzungssaal
Aufstellung. Sie warten auf die Eigentümervertreter der Post, allen voran
ÖIAG-Chef Peter Michaelis. Doch der nur 10 Meter neben dem Büro von
Post-Chef Georg Pölzl gelegene Saal bleibt verschlossen – Michaelis kommt
auch nach einer Wartezeit von 30 Minuten nicht. Unverrichteter Dinge ziehen
die Belegschaftsvertreter wieder ab.
Rechts-Offensive gegen ÖIAG-Chef Michaelis
Michaelis ist der Konfrontation mit den aufgebrachten Postlern, die die
Schließung weiterer Filialen scharf kritisieren, vorerst entgangen. Doch die
Gewerkschafter drohen nun rechtliche Schritte an.
Zentralausschuß-Vorsitzender Gerhard Fritz: „Das Fernbleiben von
Aufsichtsratschef Michaelis und der anderen Aufsichtsratsmitglieder ist
inakzeptabel, verantwortungslos und rechtlich bedenklich. Dieses unfassbare
Vorgehen kann nicht ohne Konsequenzen bleiben.“
Eskalation prolongiert. Michaelis unter Druck.
Die Belegschaftsvertreter kündigen jetzt aktienrechtliche und
arbeitsverfassungsrechtliche Schritte an. Sie wollen gar Rechnungshof und
Staatsanwaltschaft mit dem Boykott befassen.
Unterdessen kontert Michaelis eiskalt: „Das „Einberufungsrecht (einer
Aufsichtsratssitzung, Anm.) darf nicht zur Verfolgung individueller
Interessen einzelner Mitglieder missbraucht werden.“ Für Michaelis war der
Sonderaufsichtsrat nicht rechtmäßig.
Schützenhilfe erhalten die Postler aus der Politik. SPÖ-Finanzsprecher Jan
Krainer: „Es stellt sich die Frage, wofür Michaelis 700.000 Euro kassiert –
für seine Arbeit als Manager kann es wohl nicht sein. Michaelis ist
endgültig rücktrittsreif.“
Für Ärger sorgt zudem der von Michaelis initiierte Personalabbau bei der
ÖIAG selbst. Er will neun langjährige weibliche Mitarbeiterinnen – darunter
drei Betriebsrätinnen – kündigen. Auch hier ist das Arbeitsgericht
eingeschaltet.