Weiter Streiks an Berliner Flughäfen

Gewerkschaft droht

Weiter Streiks an Berliner Flughäfen

 Im Arbeitskampf an den Berliner Flughäfen erhöht die Gewerkschaft Verdi den Druck. Am gestrigen Monat kündigte sie an, den Streik des Bodenpersonals in Tegel und Schönefeld bis Mittwochfrüh zu verlängern. Damit legen die Beschäftigten zwei Tage in Folge die Arbeit nieder. Auch die Österreich-Verbindungen sind betroffen.

Verdi-Streikleiter Enrico Rümker machte dafür die Arbeitgeber verantwortlich, die noch kein Entgegenkommen signalisiert hätten. Diese kritisierten die Ausweitung des Streiks: "Das wird nicht zur Lösung des Konflikts beitragen", sagte ein Arbeitgeber-Sprecher. Nach Angaben des Flughafenbetreibers sollten an den Hauptstadt-Airports am Montag fast alle Verbindungen ausfallen. Für Dienstag seien bisher in Schönefeld 143 Flüge gestrichen, in Tegel 460, teilte ein Sprecher am späten Abend mit.

Hunderte Flüge ausgefallen

Bereits am Freitag hatte ein Streik zum Ausfall von fast 700 Flügen geführt, betroffen waren zehntausende Passagiere. Am Montag wurden nun erneut etwa 195 Flüge in Schönefeld gestrichen und 465 in Tegel. Dort trifft der Streik vor allem Air Berlin - die kriselnde Fluglinie ist größter Anbieter in Tegel und annullierte allein 215 Flüge. Die Lufthansa sagte konzernweit etwa 180 Flüge ab, am Dienstag dürfte die Zahl ähnlich hoch liegen. Der britische Billigflieger Easyjet strich zu Wochenanfang 80 Flüge und erwartete zudem Verspätungen bei anderen Verbindungen. Bei Ryanair entfielen am Montag 76 Flüge.

Der Arbeitskampf verursache Tag für Tag Schäden in Millionenhöhe für die Branche, klagte Air Berlin. Der Luftfahrtverband Barig fordert eine verbindliche Schlichtung bei Tarifstreitigkeiten. "Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht", sagte Generalsekretär Michael Hoppe.

Die Gewerkschaft ist nach eigenen Angaben weiter gesprächsbereit, allerdings nur bei einem deutlich verbesserten Angebot. Verdi fordert für die rund 2.000 Mitarbeiter des Bodenpersonals eine Erhöhung des Stundenlohns um einen Euro auf 12 Euro und einen Tarifvertrag mit einjähriger Laufzeit. Weitere Streiks sind nach Aussagen von Verdi möglich.

"Von Tag zu Tag"

"Das entscheiden wir von Tag zu Tag. Es kann passieren, dass wir morgen früh sagen, wir machen auch am Mittwoch weiter." Die Chancen stünden 50:50, sagte Streikleiter Rümker. Die Arbeitgeberseite bietet eine Erhöhung des gesamten Lohnvolumens von 8 Prozent über vier Jahre an.

Den Tarifkonflikt bekommt auch das politische Berlin zu spüren. Mehrere Veranstaltungen mussten bereits am Freitag abgesagt werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller musste für den Abflug zu einem dreitägigen Moskau-Besuch nach Dresden ausweichen.

Die Luftfahrtbranche wird immer wieder von Streiks in Deutschland getroffen. Im Herbst streikten die Flugbegleiter bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, und die Piloten der Konzernmutter gingen im November sechs Tage lang in den Ausstand. Ihr Arbeitskampf zieht sich schon seit 2014 hin und ist trotz einer Einigung beim Lohn Mitte Februar noch lange nicht beigelegt.

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