18. März 2010 11:37
Die BWB hat beim Kartellgericht Bußgelder beantragt - zunächst in
unbestimmter Höhe. Gegen den Kronzeugen, der zur Aufdeckung der Kartelle
beigetragen hat, wurde keine Strafe beantragt.
Das Ausmaß des Vergehens soll vergleichbar mit dem Aufzugskartell sein,
bisher die größte Kartell-Causa. Laut "Format" stehen
auch die ÖBB im Visier der Behörden.
Spediteure bei Rundruf zugeknöpft
Die mutmaßlichen Absprachen seien in der "Speditions-Sammelladungs-Konferenz"
(SKK) organisiert gewesen. Das Gremium sei im Zentralverband für Spedition 6
Logistik angesiedelt sei, so die BWB. Die mehr als 40 SKK-Mitglieder hätten
auf Basis einer Rahmenübereinkunft den gesamten Preisbildungsprozess für
nationalen Sammelladungsverkehr reguliert. Auch, wer welche Kunden bekommt,
sei abgesprochen worden. Das Kartell verstößt nach Auffassung der BWB gegen
das Europäische Kartellverbot.
Im heimischen Schienen-Spediteursbereich habe die SKK seit 1999 kooperiert. "In
fortlaufenden, organisierten Zusammenkünften wurden marktsensible
Informationen ausgetauscht sowie Tarife und das Vorgehen bei der Verrechnung
der LKW-Maut abgestimmt", so die BWB.
Schenker-Mitarbeiter soll "geplaudert" haben
BWB-Chef Theodor Thanner: "Wir haben in diesem Fall intensiv ermittelt,
um das Kartell aufzudecken, denn solche Absprachen fügen den Verbrauchern
enorme Schäden zu." Einmal mehr habe sich die Kronzeugenregelung
bewährt. Wie die APA aus Branchenkreisen erfuhr, soll ein Mitarbeiter des
Großspediteurs Schenker aus dem Nähkästchen geplaudert haben.
Die Branche selbst gibt sich sehr zugeknöpft. Die ÖBB-Tochter Rail Cargo
Austria (RCA), an deren Spitze der Ex-Kühne + Nagl-Chef Friedrich Macher
steht, bestätigte Ermittlungen. Man arbeite an einer Antwort auf die
BWB-Anfrage, mehr wolle man zu dem laufenden Verfahren nicht sagen.
Auch die Gebrüder Weiss bestätigten Ermittlungen, ebenso Mitbewerber Logwin.
Kühne + Nagl verweigerte jegliche Auskunft. Die Post, die ebenfalls Mitglied
des Zentralverbandes für Spedition & Logistik ist, wird von der BWB
nicht untersucht, so Sprecher Michale Homola.
Der Fachverband der Güterbeförderer betonte, dass Frächter von den
BWB-Verfahren nicht betroffen sind. Zur Erklärung: Frächter transportieren
Waren via Lkw, während Spediteure den Güterverkehr neutral vermitteln, also
über Straße, Schiene, See- und Luftfracht.