16. März 2010 14:49
Aus Sicht der Marktforschung sei es "überraschend", dass die
heimischen Städtetouristen sich so preissensibel geben, erklärte Alexander
Zeh, Prokurist der GfK Austria, bei der Studienpräsentation in Wien am
Dienstag. Generell werde in Österreich der Kostenfaktor auch im Angesicht
der Krise "nicht so stark ausgespielt" wie auf anderen Märkten,
etwa in Deutschland.
Für die Hotellerie heiße das nicht in erster Linie, dass ein Angebot nur
billig sein müsse, sondern, dass die Konsumenten vermehrt auf das
Preis-Leistungsverhältnis achten. Städtereisen würden derzeit überlegter
geplant und gebucht, man konzentriere sich auf wenige, dafür intensivere
Urlaube und in diesen "will man sich gezielt etwas gönnen",
so Zeh.
Weniger wichtig als Kosten und Standort ist bei der Hotelauswahl das gute
kulinarische Angebot, das für 56 % der Befragten mitentscheindend ist. Nur
48 % halten Serviceleistungen wie Shuttle-Dienste oder Stadtrundfahrten für
ausschlaggebend, und Design bzw. Architektur finden 26 % für ein
wesentliches Kriterium.
Frauen schauen eher auf den Preis
Bei diesen Vorlieben zeigen sich starke Unterschiede was Alter, Geschlecht
und Herkunft betrifft. Jüngere und Frauen erweisen sich als die
kostenbewusstesten Bucher. Bei den bis 29-Jährigen wollen 85 % ein günstiges
Zimmer, sie legen aber gleichzeitig auch die höchsten Ansprüche aller
Altersgruppen an das kulinarische Angebot mit Bar/Restaurant (60 %) und an
das Design (33 %) sowie an die zentrale Lage (76 %). Ebenso preisbewusst
agieren Frauen: 8 von 10 weiblichen Befragten entscheiden nach den Kosten
aber nur 7 von 10 Männern.
In der Altersgruppe bis 49 Jahre entscheiden hingegen nur 69 % nach dem
Preis und 68 % nach Lage, so wie 55 % nach dem kulinarischen Angebot im
Hotel und 51 % nach den angebotenen Serviceleistungen. Bei den Buchern über
60 Jahre finden wiederum 71 % die Zimmerkosten wesentlich, 61 % schauen auf
die zentrale Lage, 54 % auf die Services und 52 % auf das Essen.
Eine große Überraschung hätten die signifikanten Unterschiede im
Bundesländervergleich zutage gefördert, erklärte Waltraud Rieser-Herrnhofer,
Director of Sales International bei Arcotel: Die Salzburger legen einen
überdurchschnittlichen Wert auf das Design und Ambiente ihrer Hotels, auch
die zentrale Lage ist für Salzburger mehr als für Andere wichtig.
Die Kärntner geben sich hingegen als Genießer: gut zwei Drittel bevorzugen
Hotels mit außergewöhnlicher Küche. Den Wienern ist dies übrigens am
unwichtigsten. Serviceleistungen sind für Niederösterreicher und
Burgenländer wesentlich, die Vorarlberger legen darauf am wenigsten Wert.
Auf den Preis achten die Oberösterreicher und die Salzburger zu je 83
Prozent am stärksten, die Tiroler mit 65 Prozent am wenigsten.
Perfekter Aufenthalt nur bei sauberem Zimmer
Ein perfekter Hotelaufenthalt hängt für 93 % aller Befragten vor allem von
einem sauberen und ordentlichen Zimmer ab, 88 % wünschen sich außerdem
freundliches Personal. Weit dahinter liegen mit je 60 % ein Ansprechpartner,
der Tipps zur Stadt geben kann, so wie ein attraktives Frühstücksbuffet. Die
familiäre Atmosphäre zähle bei Städtereisenden im Unterschied zur
Ferienhotellerie traditionell weniger, erklärte Marktforscher Zeh. Nur 54 %
sehen dies als wichtig an.
Ein sauberes Zimmer ist im Übrigen für die Reisenden bis 29 Jahre am
wichtigsten (97 %). Sie legen auch am meisten Wert auf freundliches Personal
(92 %). Ein attraktives Frühstück ist für die Befragten aus dem urbanen
Bereich und für Vorarlberger überdurchschnittlich wichtig für einen
perfekten Hotelaufenthalt. 7 von 10 Vorarlbergern wollen hervorragend
frühstücken, aber nur die Hälfte der Oberösterreicher.
Freundliches Personal ist wiederum insbesondere für die Wiener, Burgenländer
und Kärntner Voraussetzung für einen angenehmen Aufenthalt. 72 % der
Burgenländer wollen außerdem einen Ansprechpartner, der Tipps zur Stadt
vermittelt, aber für nur 52 % der Salzburger ist dies wichtig. Die
Bundesländerergebnisse können künftig im Marketing eine stärkere Rolle
spielen, in Packages für die jeweiligen Länderbereiche soll darauf
eingegangen werden, so Rieser-Herrnhofer.
Auch die Unterschiede nach Bildungsgrad wurden erhoben: Umso niedriger die
formale Bildung, desto wichtiger ist das kulinarische Angebot im Hotel, mit
steigender Bildung verlieren Services wie Shuttledienste an Bedeutung, die
Nähe zum Stadtzentrum wird hingegen wichtiger.
Info am häufigsten über Internet
Die meisten Befragten informieren sich laut Studie über Internet (68 %) über
ein Hotelangebot, bei Freunden oder Bekannten fragen 56 % nach Empfehlungen,
48 % gehen ins Reisebüro, Prospekte oder Kataloge konsultieren 43 % und
Zeitschriften oder Reiseliteratur spielen bei 33 % mit eine Rolle für die
Buchungsentscheidung. Internet ist naturgemäß für die jüngeren Zielgruppen
aber auch für die höher Gebildeten am wichtigsten: Während 84 % der
Befragten mit AHS-/BHS- oder Hochschulabschluss angeben, sich im Netz zu
informieren, sind dies nur 66 % der Personen mit Berufsschul-/BMS-Abschluss.
Reisekataloge seien derzeit nach wie vor nicht wegdenkbar. Die Tendenz gehe
jedoch eindeutig dahin, dass die Bedeutung von Internet immer weniger mit
Bildung zu tun habe und sich auch sonst immer weiter auf alle Bevölkerungs-
und Altersgruppen ausdehne, so GfK-Mann Zeh. Schließlich würden die
derzeitigen Jungen mit 50 ihr Internetverhalten nicht umkrempeln.
Was die Beliebtheit der Arcotel-Destinationen unter den Gästen betrifft, sei
derzeit ein "Hype" um Hamburg und Berlin festzustellen, Wien laufe "sowieso
immer", erklärte Arcotel-Managerin Rieser-Herrnhofer. Der tatsächliche
Erfolg der einzelnen Standorte sei jedoch - im Städtereisen mehr als in der
Ferienhotellerie - generell von den Flugverbindungen der Billig-Airlines
abhängig. Der Standort Zagreb habe daher in letzter Zeit gelitten.
Für 2012 plant die Hotelgruppe ihre nächste große Eröffnung: die prominente
Adresse lautet auf Hamburg, Reeperbahn 1. Dann soll das Hotel, das sich im
Besitz der Österreicherin Renate Wimmer befindet, 11 Häuser betreiben. Der
erwartete Umsatz für 2009 liegt laut Unternehmenshomepage bei 54 Mio. Euro,
was ein Plus von 4 Mio. Euro gegenüber dem Jahr 2008 bedeuten würde.