17. Februar 2010 09:52
Kommenden Dienstag (23.2.) werden die Beamtenprivilegien und damit auch die
ÖBB-Pensionen Thema in der Arbeitsgruppe sein, die im Auftrag der Regierung
die Verwaltungsreform bis Herbst ausarbeiten soll. Laut Lopatka ist in
einzelnen Monaten des vergangenen Jahres das Durchschnittsalter der
Neupensionierungen auf unter 50 Jahre gesunken.
Nach den vom Finanzministerium verteilten Zahlen sind ÖBB-Mitarbeiter in den
ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres mit durchschnittlich 51,8 Jahren
in Pension gegangen. Stimmt nicht ganz, heißt es dazu aus dem
Verkehrsministerium: Das Alter sei wie im historischen Durchschnitt bei 52,4
Jahren gelegen. (Beides liegt um mehr als fünf Jahre unterhalb des ohnehin
als zu niedrig kritisierten faktischen österreichischen
Pensionsantrittsalters von 58 Jahren).
Lopatka verhandelt für die ÖVP derzeit die Verwaltungsreform, mit der unter
anderem die Sonderpensionsrechte bei ÖBB, OeNB, ORF und anderen staatsnahen
Betrieben reduziert werden sollen. ÖBB-Mitarbeiter beispielsweise erhalten
seit 2002 eine "Nebengebührenpauschale", die bei der
Pensionsbemessung mitberücksichtigt wird - ein Umstand, den der Rechnungshof
bereits kritisiert hat.
Der Staatssekretär bemängelt, dass die ÖBB im vergangenen Jahr 1.850 Leute
vor dem Erreichen ihres 53. Lebensjahres pensioniert und gleichzeitig 3.000
Mitarbeiter neu aufgenommen hätte - das zeige "das Versagen des
ÖBB-Managements". Die ÖBB kontert, dass sich unter den 3.000
Neuaufnahmen zahlreiche Saisonniers und Ferialpraktikanten befänden. Der
Personalstand sei 2009 durch natürliche Abgänge sogar um knapp 1.000 Leute
gesunken - für deren Nachbesetzung sei kein Bedarf dagewesen.
Schieder attackiert Lopatka
Dicke Luft herrscht derzeit zwischen den für die Verwaltungsreform
zuständigen Staatssekretären Reinhold Lopatka von der ÖVP und seinem
SP-Gegenüber Andreas Schieder. Lopatka hatte zuletzt öffentlich die hohen
Pensionskosten der ÖBB kritisiert und eine Anhebung des Antrittsalters
gefordert. Schieder wirft dem VP-Politiker nun vor, mit permanenten
öffentlichen Querschüssen die Verhandlungen zu stören. "Da
entsteht der Eindruck, es geht um persönliche Profilierung",
kritisiert Schieder. Lopatka weist das zurück: "Es geht uns um die
Umsetzung. Da darf man sich weder vor starken Landeshauptleuten noch vor
mächtigen Gewerkschaftsführern fürchten."
Lopatka hatte zuletzt kritisiert, dass der Bundeszuschuss zu den
ÖBB-Pensionen mit 2,1 Mrd. Euro bereits mehr als halb so groß ist, wie jener
zu den ASVG-Pensionen (3,84 Mrd. Euro). Schieder sieht die Gespräche über
die Reform der Sonderpensionsregelung bei ÖBB und Nationalbank aber bereits
auf guten Weg. Bei der Bahn gehe es um ein "schrittweises Anheben"
des faktischen Pensionsalters, möglicherweise werde man auch eine
gesetzliche Neuregelung brauchen. Hier seien aber noch "schwierige
Fragen" zu lösen, so Schieder: "Es hat keinen Sinn, Lösungen
anzugehen, die mir der Verfassungsgerichtshof als verfassungswidrig aufhebt."
Kritik an "Vorpreschen"
Er kritisiert das öffentliche Vorpreschen Lopatkas und fordert seinen
VP-Kollegen auf, die Ergebnisse in den Vordergrund zu stellen und nicht "die
persönliche Eitelkeit und die Sucht nach der Schlagzeile". "Wenn
man alles nach außen trägt, bevor man ein Endergebnis hat, dann gefährdet
man den Gesamtprozess", warnt Schieder. Er kritisiert, dass Lopatkas
Verhalten Misstrauen schaffe und dass man den anderen Verhandlungspartnern
bei jedem Treffen wieder erklären müsse, warum Zwischenstände veröffentlicht
wurden. "Das ist schlecht für den Prozess, unmöglich im Verhalten und
respektlos gegenüber den Experten", kritisiert Schieder.
Sollten Lopatka die Ergebnisse nicht ausreichen, dann könne er das ja nach
deren Vorliegen bewerten. Er selbst gehe auch nicht bei jedem Thema, wo ihm
der Verhandlungsstand nicht passe, an die Öffentlichkeit: Das gehe "auf
Kosten der Sacharbeit der Regierung". Außerdem verweist Schieder
darauf, dass man bei den ÖBB ja auch "Altlasten aus der
schwarz-blauen Koalition" abarbeiten müsse. Offenbar gehe es dem
früheren VP-Generalsekretär Lopatka hier um ein "Aufarbeiten
der eigenen Vergangenheit", kritisiert Schieder.
Lopatka weist die Kritik zurück: "Wir sind bereit die
Verantwortung wahrzunehmen und die Vorschläge der Experten im Bereich der
Harmonisierung der Pensionssysteme umzusetzen." Da müsse man "Missstände,
die bestehen, ansprechen".