21. Oktober 2009 15:31
Maier hielt der Bahn neuerlich vor, die Steuerzahler in den nächsten Jahren
mit rund 7 Mrd. Euro zu belasten und forderte Bures auf, aktiv zu werden.
Seine Partei habe zwar die Infrastrukturinvestitionen in Bahn und Straße
mitbeschlossen, angesichts der Wirtschaftskrise müssten aber "nicht
alle Investitionen so ablaufen wie geplant". Es gehe um den besten
Einsatz der aus dem Budget zur Verfügung gestellten Mittel für den
Bahnausbau.
So sei es etwa nicht sehr sinnvoll, auf einer Strecke, auf der der
Personenverkehr eingestellt wird, Bahnhöfe zu sanieren. "Was ich
kritisiere, ist das geringe Agieren der Ministerin Bures", sagte Maier
zur APA. Notwendig wäre, Druck auf das ÖBB-Management zu machen, damit die
im Sommer gesetzlich beschlossenen Änderungen in der ÖBB-Struktur raschest
umgesetzt werden.
Verschiedene Darstellungen
Wieviel der Bahnbetrieb die Österreicher tatsächlich kostet, darüber gehen
die Darstellungen auseinander: Laut dem ÖVP-Verkehrssprecher steigt der
Zuschuss aus dem Budget von 6,5 Mrd. Euro 2008 auf 7,4 Mrd. 2013. Neben rund
1 Mrd. Euro für die Instandhaltung des Streckennetzes erhalten die ÖBB rund
600 Mio. Euro für "gemeinwirtschaftliche Leistungen, also
billigere Jahres- oder Monatskarten für Pendler, Senioren und Vielfahrer
sowie den Huckepack-Verkehr für Lkw (RoLa).
Dazu kommen laut Maier weitere rund 740 Mio. Euro, die einerseits von den
Ländern für den Regional- und Nahverkehr stammen, andererseits aus dem
Familienlastenausgleichsfonds für Schüler aus Lehrlingsfreifahrten. Maier
inkludiert in die Milliarden für die Bahn aber auch die Zahlungen von knapp
2 Mrd. Euro pro Jahr für die Pensionisten sowie rund 2 Mrd. Euro, die die
ÖBB Infrastruktur AG jährlich für die Neu- und Ausbauaktivitäten an Krediten
und Anleihen aufnimmt und für die der Bund die Haftung übernimmt.
Am Ende müsse das ohnehin der Bund zurückzahlen, ist der ÖVP-Mandatar
überzeugt. Daher sei es gerechtfertigt, diesen Betrag zuzuschlagen und nicht
nur den Anteil, den der Bund an den Rückzahlungen übernimmt.
1,9 Mrd. Euro Zuschuss des Bundes
Bei den ÖBB und im Infrastrukturministerium kann man die Berechnung nicht
nachvollziehen. Der Zuschuss des Bundes beträgt 1,9 Mrd. Euro, hieß es
unisono. Die Abgeltung von Zügen und Bussen, die die Bundesländer bestellen,
dazuzurechnen, sei "einfach falsch", betonte ÖBB-Sprecher Alfred
Ruhaltinger. Das seien keine Zuschüsse an die ÖBB, sondern Bestellungen von
Ländern, Gemeinden oder auch Tourismusverbänden, für die sie auch zahlten.
Auch von den Überweisungen an die ÖBB-Pensionisten "haben die
ÖBB nichts", so der Sprecher.
Noch weniger wollen die ÖBB die Zurechnung von den etwa 2 Mrd. Euro
Fremdmitteln für den Bahnausbau hinnehmen. Dies sei internationaler
Standard. Gerechtfertigt sei nur der Anteil des Bundes an den Rückzahlungen,
heuer 224 Mio. Euro. Die ÖBB tragen langfristig 30 Prozent der
Investitionskosten selbst, und 70 % der Bund.
JVP-Chef Sebastian Kurz kündigte indes eine Bürgerinitiative "ÖBB:
Jetzt die Notbremse ziehen! Pünktlichkeit, Sauberkeit, Service: Wir wollen
mehr Leistung für unser Geld" an. Junge Menschen seien besonders
auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und daher von den ÖBB-Missständen
außerordentlich betroffen, kritisiert er. Auf pendleranwalt.at
können ÖBB-Kunden ihrem Unmut Luft machen.