05. November 2009 14:25
"Mit mir wird es keinen Privatisierungsgipfel geben und schon gar keine
Zerschlagung und Privatisierung der ÖBB", betonte Bures in einer
Pressemitteilung. VP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier konterte mit dem
Vorwurf der Wortspielerei: "Keiner will einen Privatisierungsgipfel,
sondern die ÖVP steht für einen Sanierungsgipfel". Dieser
wäre höchst notwendig, "um einmal die aktuelle Situation zu
analysieren, die Hilflosigkeit der Bundesministerin und des Managements zu
beenden und entsprechende Maßnahmen zu beschließen".
VP-Staatssekretär Lopatka sieht Handlungsbedarf vor allem bei "ungerechtfertigten
Sonderregelungen bei Dienst- und Pensionsrecht, die Milliarden an
Zusatzkosten verursachen", wie er am Donnerstag deponierte. Konkret
geht es dabei um eine Änderung von ÖBB-Bezügen. Seit 2002 wird anstelle von
individuellen Nebengebühren eine allgemeine "Nebenbezugspauschale"
in die Gehaltsansätze der unkündbaren ÖBB-Mitarbiter eingerechnet.
Pauschale ist "pensionswirksam"
Diese Pauschale ist im Gegensatz zu den alten Gebühren "pensionswirksam"
und würde die ÖBB-Pensionen bis 2056 laut Rechnungshof um 1,2 Mrd. Euro
erhöhen. Das Thema ÖBB-Pensionen beschäftigt derzeit auch die
Verwaltungsreform-Arbeitsgruppe, die am 9.12. wieder tagt. Lopatka und Bures
sehen den jeweils anderen - bzw. die ÖBB selbst - in der Pflicht, Vorschläge
für eine Lösung vorzulegen.
Lopatka und sein Parteikollege Maier wollen bei einem ÖBB-Gipfel auch die "mangelnden
Kundenleistungen" der Bahn sowie die "Selbstbedienungsmentalität
bei einzelnen Spitzengewerkschaftern und Aufsichtsräten" zur
Sprache bringen.
Am Wochenende war bekannt geworden, dass der frühere stellvertretende
Aufsichtsratspräsident der ÖBB, Eduard Saxinger, für 2007 und 208 für die "Aufbereitung
entscheidungsreifer Beschlüsse" und die "Erstellung von
Rechtsgutachten" zusätzlich zu seiner Aufsichtsratsentschädigung
100.000 Euro bekam, ohne dass das im Aufsichtsrat beschlossen wurde.
Ein Viertel der Sonderzahlung wurde der ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft, die
das Ganze abwickelte, von der Asfinag refundiert, bei der Saxinger
Aufsichtsratsvorsitzender ist. Die Zahlung von 25.000 Euro wurde laut
Asfinag am 7. 4. 2009 überwiesen und galt ebenfalls für 2007 und 2008 und
für Leistungen, "die mit Aufsichtsrat und Vorstand vereinbart waren".
Entgegen anderslautenden Medienberichten habe Saxinger auch "kein Büro
bei der Asfinag". Im Aufsichtsrat am 1. Dezember werden die Honorare
ein Thema sein, in der Woche vorher sind in im Personen- und im Güterverkehr
die Kontrolleure mit der abermaligen Bahnreform befasst.
ÖVP will raschere Reform
Der ÖVP geht die Umsetzung der im Sommer beschlossenen Reform der ÖBB-Reform
und der damit verbundene weitere Personalabbau viel zu langsam. Tatsächlich
spießt es sich weiter bei der beschlossenen Zusammenlegung von Traktion und
Verschub in einer neuen Produktionsgesellschaft. Strittig ist unter anderem,
wem die Loks und Triebwagen (heute bei der Traktions GmbH) künftig gehören
sollen - und damit die Höhe allfälliger neuer Abwertungen. Außerdem hat
Brüssel Einwände gegen die Verlagerung der rund 7.000 Verschub-Mitarbeiter
angemeldet bzw. die rund 130 Mio. Euro schweren Subventionen, die noch in
diesen Bereich fließen. Am morgigen Freitag stehen wieder Gespräche mit der
EU-Kommission an.
BZÖ Klubobmann Josef Bucher forderte, die ÖBB "aus der
Geiselhaft der Gewerkschaft zu befreien". "Bei den ÖBB jagt ein
Skandal den nächsten und die zuständige SPÖ-Infrastrukturministerin Bures
bleibt tatenlos. Offenbar ist sie nicht in der Lage, sich gegen die rote
Eisenbahnergewerkschaft rund um Wilhelm Haberzettl durchzusetzen. Wenn nicht
bald gehandelt wird, richtet die Gewerkschaft das Unternehmen zu Grunde,"
meinte Bucher in einer Parteiaussendung.