08. August 2011 23:06

Weltweites Kursbeben 

Wiener Börse stürzt ab, Verluste in Asien

Kein Ende der Aktien-Verluste - Politik-Bemühungen umsonst.

Wiener Börse stürzt ab, Verluste in Asien
© AP

Die ganze Welt hatte Angst vor einer neuen globalen Rezession. So viele Menschen wie noch nie blickten den ganzen Tag auf die Kurse der Weltbörsen. Denn: Fast alle erwarteten einen wahren „Schwarzen Montag“, einen Mega-Crash der Wirtschaft.

Wieder werden Milliarden an den Börsen weltweit verbrannt. Die angekündigte Talfahrt geht auch am Dienstag weiter. Die Börsen in Asien stürzen ebenfalls ab.

Hintergrund: Am Freitag, nach Börse-Schluss in New York, verkündete die Rating-Agentur Standard & Poors, dass die Kreditwürdigkeit der USA herabgesetzt wurde. Die Panik vor einer drohenden Rezession war wieder da. Es war ein Alarmsignal. Experten sahen einen gigantischen Börsen-Krach kommen.

Montag war Tag der Wahrheit
Die Börsen sperrten nach dem Wochenende wieder auf. Die Börsen der Welt waren mit TV-Teams besetzt, die Zeugen des finanziellen Untergangs sein wollten. Ein begehrtes Bild: Betende Banker, die zitternd am Arbeitsplatz erschienen.

Am Vormittag waren einige Börsen sogar im Plus
Ganz so schlimm kam es dann doch nicht, die ganz großen Panik-Verkäufe blieben vorerst aus. Dennoch fielen die Verluste durchaus dramatisch aus.

Montag Früh sah es kurzfristig danach aus, dass die Welt mit einem blauen Auge davongekommen wäre: Die asiatischen Börsen eröffneten vielfach „stabilisiert“ bei ungefähr zwei Prozent minus. Finanz-Experten erschien das wie die Erlösung, nachdem Staatsmänner weltweit (Obama, Merkel, Sarkozy ...) über das gesamte Wochenende versucht hatten, vertrauenserweckende Aktionen zu setzen.

Am Vormittag gab es sogar die ersten lachenden Broker: Frankfurt rutschte ins Plus, Mailand gar +4 Prozent.

Am Abend drehten alle Börsen ins tiefe Minus
Doch dann begann dennoch der tiefe Fall – die Anleger waren extrem verunsichert. Der österreichische Leit-Index ATX rasselte am kräftigsten runter. Bilanz nach Börsenschluss: -6,1 Prozent . Bereits in der Vorwoche waren die Verluste in Wien die größten im internationalen Vergleich.

Dem wichtigen deutschen DAX-Index ging es kaum besser: Minus 5,02 Prozent. Und dann blickten alle nervös Richtung New York. Dort ging es schlimmer als am Freitag weiter. Am Ende verlor der Dow Jones über 630 Punkte –ein Minus von 5,5 Prozent. Eine trotzige Rede von US-Präsident Barack Obama („Wir waren immer ein Triple-A-Land, wir werden immer eines bleiben“) verschlimmerte den Absturz nur, der sich dann auch in Asien fortsetzte.

Verluste auch in Asien
Verunsicherte Investoren haben am Dienstag in Asien erneut Aktien im großen Stil über Bord geworfen. Die Fernost-Börsen gaben auf breiter Front nach und verloren im Handelsverlauf zum Teil bis zu neun Prozent.

An der Tokioter Börse verlor der Nikkei-Index der 225 führenden Werte 1,7 Prozent unter die psychologisch wichtige 9.000er-Marke auf 8.944 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index ging mit einem Minus von 1,6 Prozent auf 770 Zähler aus dem Handel. Der Markt in Hongkong fiel um mehr als drei Prozent. Die südkoreanische Börse in Seoul rutschte 3,6 Prozent ab. Der australische Markt in Sydney drehte im Verlauf ins Plus und legte leicht zu. Der chinesische Leitindex in Shanghai tendierte mit einem minimalen Verlust.

Investoren unter Schock

Der weltweite Börsencrash hat Wien besonders heftig erwischt.

Nur noch knapp über 2.100 Punkten lag der Wiener Leitindex ATX gestern am Montag zwischenzeitlich an der Wiener Börse, bevor er sein Minus gegen Börsenschluss noch leicht verringern konnte. Doch auch gestern gab der heimische Leitindex der 20 wichtigsten in Wien gehandelten Aktien nochmals um über sechs Prozent nach. Mit den Verlusten aus der Vorwoche haben die ­Aktien insgesamt durchschnittlich rund 17 Prozent ihres Wertes verloren.

Kapitalisierung reduzierte sich um Hunderte Millionen
In Zahlen ausgedrückt geht es dabei um gewaltige Summen. So hat beispielsweise der größte heimische Baukonzern Strabag seit 1. August knapp über zehn Prozent seines Börsenwertes verloren. Betrug die Marktkapitalisierung vor einer Woche noch rund 2,28 Milliarden Euro, so lag sie gestern nur mehr bei rund 2,04 Milliarden Euro, ein Verlust von fast einer Viertelmilliarde. Das bekommt auch Hans Peter Haselsteiner, Strabag-Chef und mit seiner Familie Dritteleigentümer des Konzerns, zu spüren. Sein Aktienvermögen büßte in einer Woche rund 81 Millionen Euro an Wert ein.

lnvestoren erlebten heftige Wertverluste ihrer Anteile
Heftig erwischt wurde auch Investor Martin Schlaff, dem 30 Prozent des Feuerfest-Konzerns RHI zugerechnet werden. Der Kurs der Aktie verlor rund 20 Prozent, der Börsenwert von RHI reduzierte sich damit um rund 161 Mio. Euro auf 618 Mio. Euro. Martin Schlaff verlor damit in einer Woche rund 48 Millionen Euro seines RHI-Ak­tienvermögens.

Einen heftigen Vermögenseinbruch erlebte auch Wolfgang Leitner, Vorstandschef und Hauptaktionär des heimischen Anlagenbauers Andritz. Das Vorzeigeunternehmen erlitt beim Aktienkurs ein Minus von rund 22 Prozent, die Marktkapitalisierung sackte von 3,73 Milliarden Euro auf rund 2,85 Milliarden Euro ab, 880 Millionen Euro weniger. Für den 26 %-Anteil Leitners somit ein Buchwertminus von knapp 229 Millionen Euro.

Börsechef Schaller hält das Minus für stark übertrieben
Heinrich Schaller, gemeinsam mit Michael Buhl Chef der Wiener Börse, hofft auf eine rasche Beruhigung der Märkte. Dass Wien besonders hart getroffen wurde, sei in der aktuellen Krisensituation nicht ungewöhnlich. Kleinere Handelsplätze seien üblicherweise stärker im Minus, würden sich aber anschließend auch rascher wieder erholen, so Schaller im Gespräch mit ÖSTERREICH. Die heimischen Börsenfirmen seien großteils mit sehr soliden Fundamentaldaten ausgestattet, ein Minus in diesem Ausmaß deswegen übertrieben. Die Stimmung für Börsengänge sei aber im Keller.

EZB: Hilfe für Italien, Spanien

Jetzt ist jedes Mittel recht, um die Welt-Wirtschaft zu retten. Die EZB kaufte um 75 Milliarden Euro Anleihen, um Märkte zu beruhigen.

Neben der Rating-Abstufung der USA sind die Finanz-Miseren von Italien und Spanien die größten Sorgenkinder für die Weltwirtschaft. Sollten diese Länder krachen (dritt- und viert-größte Volkswirtschaften der Eurozone), droht eine wahre Rezession.

Gestern schaltete sich die Europäische Zentralbank (EZB) ein: Man entschied, Staatsanleihen aus Italien und Spanien zu kaufen (um 75 Mrd. €). Damit sollte das Vertrauen in die Länder wieder steigen.

Verraten hat diese Pläne der französische Finanzminister Francois Baroin im Radio. Die Nachricht war gut platziert: Kurz vor dem europäischen Börse-Start. Mit dieser Information wollten die Politiker die Angst der Händler vor dem Börsen-Crash mindern.

Baroin: „Die Sparpläne der Länder führen in der EZB zu der Einschätzung, dass es legitim sei, beiden Ländern zu helfen.“

Der Plan ging nicht ganz auf: Nach einem schlechten Start an Europas Handelsplätzen sah es zunächst gut aus. In Frankfurt drehte der DAX ins Plus, Mailand konnte sogar ein Plus von 4 % vorweisen. Doch dann nahm die Angst der Händler wieder Überhand. Die Börsen krachten. Der Plan der EU war umsonst

Othmar Karas (ÖVP): „EU-weite Steuer-Politik“

ÖSTERREICH: Wie kommen wir aus der Krise?
Othmar Karas: Wir brauchen endlich eine Europa-weite Budget- und Steuerpolitik. Was notwendig ist, ist eine Weiterentwicklung von der Europäischen Union zu den Vereinigten Staaten von Europa!

ÖSTERREICH: Mit einem EU-Finanzminister?
Karas: So ist es. Das ist eine Entwicklung, die längst schon hätte erfolgen müssen. Wir helfen Griechenland, wir helfen Portugal – dabei müsste man dem Euro helfen: Dazu gehört die Schaffung einer gemeinsamen Steuerpolitik, der Ausbau des Euro-Rettungsschirms zu einem viel besser dotierten Europäischen Währungsfonds und die Schaffung EU-weiter Staatspapiere, den Eurobonds.

scg, pom, Frank Placke

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10 Postings
Mag. Robert Cvrkal meint am 09.08.2011 12:45:35 ANTWORTEN >
Schuld an der bisherigen Entwicklung sind nicht die Spekulanten oder Banken, die die bestehenden Freiräume ausnützen, sondern es ist die Politik die bisher nicht in der Lage war entsprechende Regeln zu formulieren und in Kraft zu setzen. Nach der Krise 2008 wurde von einer Verschärfung der Bestimmungen gesprochen, welche bis dato nicht erfolgt ist. Unsere Politiker haben einzig erreicht, daß viel Steuergeld zur Absicherung der Gewinne der Spekulanten eingesetzt wurde und dieses ist nahezu wirkungslos am freien Markt verpufft. Wenn die Politik die Sorgen und Ängste der Bevölkerung nicht ernst nimmt, dann liegt es an den Bürgern entsprechend auf die Entscheidungsträger einzuwirken. Aus diesem Grund wurde z. B. die Bürgerinitiative "Genug Gezahlt" ins Leben gerufen, welche u. a. eine Zustimmung der Bevölkerung vor weiteren Haftungsübernahmen oder der Gewährung von Benifizen an marode Staaten oder Banken fordert. Auch durch die derzeitigen Aufkäufe der EZB von spanischen und italienischen Staatsanleihen entsteht für den österreichischen Steuerzahler im Ausmaß des Anteiles der Republik Österreich an der EZB ein einsprechendes Verlustrisiko.
EchterSchurnalist meint am 09.08.2011 09:15:00 ANTWORTEN >
...ein segen für die gesamte welt, wenn die börsen weltweit crashen - aber ordentlich
Zillertaler333 meint am 09.08.2011 07:36:47 ANTWORTEN >
Mit diese Scheiss börsen haben diese Speckulanten einen Wirtschaftlichen schaden angerichtet
Zillertaler333 meint am 08.08.2011 17:14:58 ANTWORTEN >
Die Schei... speckulanten können sich nicht lassen,mehr schaden als nützen
Bubblegum meint am 08.08.2011 15:03:29 ANTWORTEN >
Das "schwarze Montag" - Chaos blieb
- vorerst -aus, aber das sagt gar nichts!

Der unweigerlich kommende Total-(Finanz)-Crash wird kommen
und 1920 weit in den Schatten stellen
zappo1410 meint am 08.08.2011 13:40:05 ANTWORTEN >
is eh wurscht !!!!
Mag. Robert Cvrkal meint am 08.08.2011 08:04:44 ANTWORTEN >
Nachdem nur Standard & Poors den USA das Triple-A-Rating entzogen hat und die anderen Ratingagenturen dazu derzeit keinen Anlaß sehen sich dieser Vorgangsweise anzuschließen, dürfte die erfolgte Rückstufung durch S & P für die USA derzeit auf dem Markt zu keinen größeren Nachteil (signifikante Zinsenerhöhung) führen. Werden jetzt beim Haushalt der USA weitere Einsparungen vereinbart, dürfte auch S & P die USA wieder mit einem Triple-A einstufen.

Ganz anders sieht die Situation in Europa aus, wobei sich die Hälfte der 6 am meisten insolvenzgefährdeten Staaten befinden. Neben den bereits als bankrott anzusehenden Staaten, Griechenland, Irland und Portugal stehen nunmehr auch Italien und Spanien vor schwierigen, kaum mehr alleine bewältigbaren Problemen. Wie ernst die Lage ist, ist aus der Forderung von Barrosso den Rettungsschirm neuerlich aufzustocken zu entnehmen. Wenn sich die Lage in den USA wieder normalisiert hat, ist damit zu rechnen, daß dann wieder Europa in den Mittelpunkt des Interesses rückt und es hier zu einer wahren Welle an Bonitätsrückstufungen kommt. Ein Zusammenbruch der Eurozone wird man kurzfristig, wenn dies politisch gewünscht ist, noch durch Eurobonds hinausschieben können, allerdings wird dann das Erwachen und die damit verbundenen Folgen (z. B. würden dann auch noch einigermaßen haushaltende Staaten wie Österreich oder Deutschland von den maroden Staaten in den Abgrund mitgezogen werden).umso ärger ausfallen.

Eine ungebührliche Belastung der nächsten Generationen müßte aufgrund des verfassungsrechtlich abgesicherten Begriff der Generationengerechtigkeit unter gewissen Voraussetzungen sogar zu strafrechtlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen führen.
EchterSchurnalist meint am 09.08.2011 09:17:07
magister .... erzähl es den fischen.
durch magister, die angeblich übergscheiten, kommt es ja zum crash auf der welt...
magister sind blöde mit beglaubigtem zertifikat, nullchecker, arbeitsscheue viecher
EchterSchurnalist meint am 08.08.2011 07:56:52 ANTWORTEN >
sperrt die börse zu !!
SilentPain meint am 08.08.2011 07:37:47 ANTWORTEN >
Kanzler Faymann: „Wir haben die Krise 2008 gut überstanden und gemeistert!“
Präsident Fischer: „Wir haben die Krise 2008 gut überstanden und gemeistert!“
Pröll u. Spindelegger: „Wir haben die Krise 2008 gut überstanden und gemeistert!“

Das Volk wurde um viel Geld betrogen, um die Krise so gut es ging zu kaschieren! Es wurde NIE etwas zur Bewältigung der Krise unternommen! Man hat einfach unser Geld genommen und es den Banken „geschenkt“ - einfach so – ohne Rückzahlungsauflagen, ohne Forderungen und ohne Maßnahmen zur Eindämmung des Casino-Kapitalismus! Beispielsweise als wenn man einem Spieler, der soeben durch riskante Wetten alles verloren hat, neuerlich Geld in die Hand drückt und sagt: „Spiel weiter! Du machst das gut!“

Egal, wie das „Heute“ ausgehen mag, spätestens 2013 wird alles vor die Hunde gehen! Die unstillbare Gier einiger weniger reißt uns alle in den sicheren Ruin!
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ATX
Chart
Top   Aktuell Diff. Diff %
Oest. Post AG up 26.930 0.875 3.36
EVN AG up 9.213 0.023 0.25
Vienna Insurance Gr. equal 28.000 0.045 0.16
Telekom Austria AG equal 7.745 0.005 0.06
OMV AG equal 22.105 -0.030 -0.14
voestalpine AG down 20.980 -0.050 -0.24
Mayr-Melnhof Karton down 70.67 -0.23 -0.32
STRABAG SE down 18.000 -0.100 -0.55
Erste Group Bank AG down 14.305 -0.085 -0.59
Wienerberger AG down 7.356 -0.050 -0.68
Flop   Aktuell Diff. Diff %
Raiffeisen Int. Bank down 22.305 -0.690 -3.00
RHI AG down 17.015 -0.420 -2.41
CA Immo. Anlagen down 7.431 -0.169 -2.22
Andritz AG down 38.400 -0.755 -1.93
Lenzing AG down 72.02 -1.38 -1.88
Verbundgesellschaft down 18.845 -0.345 -1.80
Zumtobel AG down 9.831 -0.164 -1.64
Schoeller-Bleckmann down 60.500 -0.870 -1.42
conwert down 8.600 -0.097 -1.12
Immofinanz AG down 2.454 -0.023 -0.93
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ATX Prime down 949.15 -7.03 -0.74
DAX down 6271.22 -37.74 -0.60
MDAX down 10043.67 -162.22 -1.59
TECDAX down 742.49 -12.32 -1.63
Dow Jones down 12369.38 -73.11 -0.59
Nasdaq 100 down 2478.53 -30.52 -1.22
NIKKEI 225 equal 8611.31 NaN
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