03. Mai 2010 13:55
"Bei Verbrennungsmotoren können die Chinesen technologisch kaum noch
aufholen", sagt Autoexperte Christian Malorny von der Unternehmensberatung
McKinsey. Deshalb setzten sie auf Elektroautos. "Da ist das Rennen offen. Da
wittern sie ihre Chance auf dem Weltmarkt." Sein Kollege Ralf Kalmbach von
Roland Berger rechnet damit, dass batteriebetriebene Fahrzeuge schon in drei
bis fünf Jahren in China weit verbreitet sein werden.
Viele Rahmenbedingungen sprechen nach Ansicht von Fachleuten dafür: Der
Automarkt bietet großes Wachstumspotenzial, die Pkw-Nutzung konzentriert
sich auf Ballungsräume, und bei der Forschung an Lithium-Ionen-Batterien,
mit denen Elektroautos betrieben werden, sind die Chinesen vorn dabei. Zudem
hat sich die Politik den Führungsanspruch bei Elektromobilität auf die
Fahnen geschrieben.
Die Regierung kündigte vor ein paar Monaten an, in den kommenden Jahren
insgesamt 33 Mrd. Euro in die Entwicklung "grüner" Technik investieren zu
wollen. Jeweils die Hälfte davon soll in Hybrid- und in Elektrofahrzeuge
fließen. Käufer sollen mit Subventionen von gut 6.500 Euro je Elektroauto
gelockt werden.
Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber fordert ähnliche Unterstützung auch in
Deutschland. Der Kaufanreiz dürfe nicht unter dem weltweiten Standard
liegen. Zudem sei weiter Forschungsförderung nötig: "Das
500-Millionen-Programm, das 2012 ausläuft, muss man unbedingt verlängern,
mindestens bis 2015." Bis dahin will China den Absatz von Autos mit "grüner"
Technik auf 15 Mio. Wagen steigern, 1,5 Millionen sollen elektrisch
betrieben werden. Zum Vergleich: In Deutschland sollen erst 2020 eine
Million Autos mit Strom fahren - und schon dieser Plan gilt als ehrgeizig.
Die großen deutschen Hersteller haben sich trotzdem vorgenommen, in der
Elektromobilität führend zu werden. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, der
dieses Ziel 2018 erreichen will, sagt, der Erfolg in China sei entscheidend
für den weltweiten Erfolg des batteriebetriebenen Fahrens. Ähnlich sieht es
BMW-Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer: "Für Elektromobilität gibt es
keine nationalen Märkte. Wir müssen global denken." Die Münchner wollen 2013
ihr erstes batteriebetriebenes Serienauto, einen Cityflitzer, auf den Markt
bringen. Wo, lassen sie zwar offen, aber China steht ganz oben auf der Liste.
Konkurrent Daimler konzentriert sich gleich auf den weltgrößten Automarkt.
Die Stuttgarter bauen gemeinsam mit dem lokalen Hersteller Build Your Dreams
(BYD) ein Elektrofahrzeug für China, das ebenfalls 2013 an den Start gehen
soll. Der chinesische Batterie- und Autobauer selbst bringt schon 2010 in
seiner Heimat ein Elektroauto - und will es noch vor Jahresende auch in den
USA verkaufen. Schätzungsweise 30 chinesische Hersteller entwickeln derzeit
alternative Antrieben.
Mit dem Ausbau der Elektromobilität will China in den nächsten Jahren die
Abhängigkeit vom Erdöl verringern. Zudem werden - angesichts steigender
Umweltbelastung gerade in den Millionenstädten - auch dort die
Abgasvorschriften immer strenger. "Das ist eine Falle für große Fahrzeuge",
sagt Autoexperte Kalmbach von der Unternehmensberatung Roland Berger. "Die
deutschen Premiumhersteller sind auch deshalb gezwungen, Modelle mit
Elektroantrieb anzubieten."