Stöger-Entwurf für Ärztegesellschaften

Stöger-Entwurf für Ärztegesellschaften

Der wesentliche Unterschied zu den bestehenden Ambulatorien besteht darin, dass in den neuen Gruppenpraxen nur Ärzte bzw. Zahnärzte Gesellschafter sein können. Jeder Arzt muss als Gesellschafter auch "maßgeblich" mitarbeiten, er ist somit "Arbeitsgesellschafter".

Ärzte können keine anderen Ärzte anstellen, die Anstellung von Ärzten ist nur im Ambulatorium möglich. Damit bleibe die weisungsfreie Berufsausübung und bei gleichen Fächern in einer Gruppenpraxis die freie Arztwahl gesichert, erläuterte Stöger vor Journalisten. Auch andere Berufsgruppen, etwa Physiotherapeuten, können keine Gesellschafter sein.

Möglich sollen damit die verschiedensten Formen der Zusammenarbeit von Ärzten werden. So ist es etwa denkbar, dass Allgemeinmediziner mit Fachärzten eine gemeinsame Praxis betreiben, aber auch die Zusammenarbeit von zwei Allgemeinmedizinern mit dann längeren Öffnungszeiten oder von mehreren Fachärzten, die sich etwa auf verschiedene Fachbereiche spezialisiert haben, wäre möglich.

Für die Patienten ergeben sich damit die Vorteile längerer Öffnungszeiten, etwa am Abend oder auch am Wochenende, außerdem könnten sie sich lange Wege in verschiedene Praxen ersparen. Die Ärzte könnten damit gemeinsame Infrastruktur und Geräte nutzen und von flexibleren Arbeitszeiten profitieren. Die Ärztekammern können mit den Sozialversicherungen eigene Gesamtverträge für die Gesmbhs vereinbaren.

Neben der Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung erwartet sich Stöger vor allem eine Entlastung der Ambulanzen. Auf konkrete Einsparungen dadurch wollte sich der Gesundheitsminister aber noch nicht festlegen: "Schnelle Rechnungen gehen nie auf."

"Strenge Bedarfsprüfung"

Sowohl für die Ambulatorien als auch für die neuen Gruppenpraxen soll es aus EU-rechtlichen Gründen eine strenge Bedarfsprüfung geben. Unter Berücksichtigung der regionalen Strukturpläne sollen dabei auch die Auslastung und die Wartezeiten bei den bestehenden Praxen als Kriterien dienen. Das Verfahren führt das Land durch, die jeweilige Sozialversicherung, die Ärztekammer und die Wirtschaftskammer erhalten Parteistellung. Keine Bedarfsprüfung wird es auch weiterhin für Einzelordinationen von Ärzten geben, aber auch dann nicht wenn sich Ärzte mit bestehenden Kassenverträgen zu einer Gesmbh zusammenschließen.

Über diesen Entwurf will das Gesundheitsministerium nun mit den Ländern, den Sozialversicherungen, der Ärztekammer und der Wirtschaftskammer Gespräche führen. Danach soll ein Begutachtungsentwurf erstellt werden. Auf einen konkreten Zeitplan wollte sich Stöger noch nicht festlegen, seiner Meinung nach könne es aber durchaus schnell gehen. Der Minister betonte aber, dass er einen "sauberen Gesetzgebungsprozess" anstrebe. Mit diesem Entwurf löse er auch ein Versprechen an die Ärzte ein, das er beim Kassensanierungspaket im Vorjahr abgegeben habe, unterstrich Stöger.

Ärztekammer "irritiert" über Stöger-Vorstoß

"Irritiert" hat die Ärztekammer auf die Vorgangsweise Stögers bei der Präsentation des Entwurfes zur Schaffung der Ärztegesellschaften reagiert. Die Ärztevertretung sei über einige wesentliche Punkte dieses Entwurfes nicht informiert worden, kritisierte Präsident Walter Dorner in einer Aussendung: "Es ist schon verwunderlich, dass der Minister Fakten über die Öffentlichkeit schaffen will und damit die Betroffenen übergeht. Diesen Stil sind wir von ihm eigentlich nicht gewöhnt."

Aber auch inhaltlich übt Dorner Kritik. Kein Verständnis hat er etwa für geplante "Restriktionen" bei der Gründung und Führung von Ärzte-GmbHs. Konkret meint er damit etwa die von Stöger vorgesehene Bedarfsprüfung. Darüber werde man noch reden müssen, denn diese würde der freien Berufsausübung und der bei vergleichbaren Berufen gepflegten Praxis widersprechen, so der Kammerchef: "Ich befürchte, dass Rücksichtnahmen nach allen Seiten die positive Grundidee der Ärzte-GmbH zunichte machen."

Dorner erwartet sich jetzt "intensive Gespräche". Das Präsidium der Ärztekammer werde an den Gesundheitsminister diesbezüglich herantreten. Dorner will alle im Zusammenhang mit den Ärzte-GmbHs aufgeworfenen Fragen eingehend diskutieren. "Inhaltlich ist vieles offen. Wir streben eine Lösung an, die einen Reformschub in der ambulanten Gesundheitsversorgung auslöst und den Interessen der Patienten und Ärzte entspricht."

ÖVP entschieden gegen Stöger-Entfwurf

Auf entschiedene Ablehnung beim Koalitionspartner stößt der Entwurf des Gesundheitsministers zur Schaffung von Ärztegesellschaften. ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger bezeichnete die Pläne Stögers als "Totgeburt", die "mit Sicherheit nicht das Ziel erreichen" werden. Damit werde es zu keiner Stärkung des niedergelassenen Bereichs und zu keiner Entlastung der Ambulanzen kommen. "Das ist mit uns in keinster Weise abgestimmt", sagte Rasinger gegenüber der APA.

Den ÖVP-Gesundheitssprecher stört vor allem die geplante Bedarfsprüfung, er sieht darin eine "Bewilligungswillkür". Im Bescheid werde dann auch noch das Leistungsspektrum definiert. Es gehe ja vielleicht noch, dass die Krankenkasse ihren Ärzten mit Kassenverträgen Leistungen vorschreibe, aber nicht den Privatärzten. Im Gesetzesentwurf werde nicht zwischen Kassen- und Privatärzten unterschieden. Das widerspreche dem Grundsatz der freien Berufsausübung, kritisierte Rasinger.

Die FPÖ ist zwar prinzipiell für die Ärzte-GmbH, lehnt den Entwurf Stögers aber ebenso ab. "Dieser Entwurf ist keine Ärzte-GmbH, dieser Entwurf ist eine Bürokraten-GmbH", kritisierte Ärztesprecher Andreas Karlsböck. Er warf dem Minister vor, die GmbH nicht wirklich haben zu wollen und deshalb zu versuchen, die GmbH-willigen Ärzte "im Bürokratie-Dschungel verhungern" zu lassen.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Live auf oe24.TV 1 / 11

Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum